Der Anlass bot einen umfassenden Überblick über aktuelle Entwicklungen im Bereich Fernwärme und zeigte entlang der gesamten Wertschöpfungskette, wie thermische Netze und innovative Technologien zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung beitragen können.
Strategische Perspektive der Kantone und Beispiel der Stadt Bern
Den Auftakt des Programms bildete die strategische Perspektive der Kantone. Olivier Brenner, stellvertretender Generalsekretär der EnDK, zeigte auf, welche Rolle die Kantone beim Ausbau thermischer Netze spielen und welche regulatorischen Rahmenbedingungen die Transformation der Wärmeversorgung beeinflussen.
Anschliessend zeigte Martin Jutzeler, Experte Wärmesysteme bei Energie Wasser Bern ewb, anhand der Strategie der Stadt Bern, wie eine Grossstadt ihre Wärmeversorgung dekarbonisieren kann. Ziel ist es, bis 2045 Netto-Null-Emissionen zu erreichen.
Der Weg dorthin basiert auf drei zentralen Massnahmen: dem konsequenten Ausbau erneuerbarer Wärmelösungen und thermischer Netze, der schrittweisen Reduktion der Gasinfrastruktur sowie der Umstellung der verbleibenden Gasversorgung auf erneuerbare Gase.
Bis 2045 sollen rund 188 Kilometer des heutigen Gasnetzes stillgelegt werden; übrig bleiben etwa 46 Kilometer. Parallel dazu werden die verbleibenden Gaskundinnen und Kunden gemäss Klimareglement schrittweise auf 100 Prozent erneuerbares Gas umgestellt unter anderem aus inländischer Produktion in Bern und Aarberg sowie aus Importen.
Modulare Containerlösungen Praxisbeispiele für den Ausbau von Wärmenetzen
Im nächsten Programmpunkt standen konkrete Lösungen für den Ausbau von Wärmenetzen im Mittelpunkt. Bernd Kisch, Produktmanager Energiesysteme bei Yados AG, einem Tochterunternehmen der Hoval AG, stellte Wärmenetze mit modularen Energiezentralen im Containerformat vor. Er zeigte, wie die Konstruktion solcher Container abläuft, welche Aspekte bei Planung, Herstellung und Betrieb beachtet werden müssen und wie die modulare Bauweise Flexibilität und schnelle Umsetzung ermöglicht. Die Lösungen setzen auf lokale, erneuerbare Energieträger und fördern gleichzeitig die regionale Wertschöpfung.
Ergänzend zeigten Beat Ruckli und Fabio Schild von den Industrielle Werke Basel, wie mobile Heizzentralen in einem Container praktisch eingesetzt werden. Der Container wird direkt an das Primärnetz angeschlossen und liefert Wärme flexibel bei Netzerweiterungen oder Wärmenetzsanierungen. Vorteile sind emissionsfreier Betrieb ohne Abgase und Lärm, reduzierte Kosten dank vorhandener Anlage sowie Überwachung über Leitsysteme oder Apps. Die Containerlösung konnte von den Teilnehmenden vor Ort besichtigt werden, sodass ein direkter Einblick in die praktische Umsetzung möglich war.
Digitale Leittechnik und Systemoptimierung
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der intelligenten Steuerung und digitalen Optimierung von Wärmenetzen. Karsten Fischer-Florschütz, Produktmanager Leittechnik bei Yados AG, erläuterte, wie moderne Leittechniksysteme Energiezentralen, Netze und Gebäude verknüpfen und damit Effizienz und Versorgungssicherheit steigern. In der Green Factory von Yados einer energieeffizienten Produktionsstätte mit grossem Photovoltaik-Stromanteil und innovativen Energieprozessen werden historische und aktuelle Anlagen- und Regelungsdaten genutzt, um alle installierten Regelungen zu überwachen, Anlagen intelligent zu steuern und frühzeitig Fehler zu erkennen. Weltweiter Zugriff auf alle Anlagenparameter ermöglicht flexible Betriebsanpassungen und unterstützt die sektorübergreifende Vernetzung von Strom, Wärme und Mobilität.
Darauf aufbauend zeigte Sebastian Hersberger, CEO und Co-Founder von Yuon Control AG, wie Wärmenetze dank digitaler Zwillinge und datenbasierter Methoden optimiert werden können. Auf Basis verfügbarer Mess- und Betriebsdaten werden digitale Modelle des Netzes erstellt, unbekannte Parameter automatisiert identifiziert und das zukünftige Verhalten des Systems vorhersagt. Modellprädiktive Steuerung berechnet optimale Regelabfolgen, während Kennzahlen wie Gesamtkosten pro MWh gelieferter Wärme, Netzauslastung, Erneuerbarkeitsfaktor, COP (Coefficient of Performance) und mögliche Versorgungsengpässe transparent gemacht und steuerbar werden.
Durch diese datengetriebenen Ansätze lassen sich Netze nicht nur effizienter betreiben, sondern auch kontinuierlich optimieren, um Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und Kosten gleichzeitig zu verbessern.
Sektorkopplung und politische Diskussion
Den Abschluss bildete ein energiepolitischer Ausblick. Frank Schürch, Geschäftsführer von energie-cluster.ch, rief die Teilnehmenden dazu auf, die Brille der Sektorkopplung aufzusetzen: also Strom-, Wärme-, Mobilitäts- und industrielle Systeme nicht isoliert zu betrachten, sondern intelligent zu vernetzen. Durch Sektorkopplung lassen sich Versorgungssicherheit erhöhen, Klimaziele erreichen, Kosten stabilisieren und regionale Innovation stärken. Besonders die Vernetzung dezentraler Energieerzeugung, Speicher, Wärmepumpen und Wasserstoffsysteme macht aus vielen Einzelprojekten ein stabiles, flexibles Gesamtsystem.
In einem anschliessenden politischen Panel diskutierten Maya Tharian (GLP), Tobias Frehner (FDP) und Yvo Hofer (Die Mitte) über die notwendigen Rahmenbedingungen für den weiteren Ausbau der Fernwärme in der Schweiz. Themen waren unter anderem digitale Netze, flexible Tarife, nachhaltige Investitionsmodelle sowie die frühzeitige Integration aller Technologien von Gebäuden über Quar-tiere bis hin zu ganzen Regionen.
Neben den Fachreferaten erhielten die Teilnehmenden praktische Einblicke: Vor Ort konnte die begehbare Container Heizzentrale von IWB besichtigt werden, zudem bot eine Führung durch die Energiezentrale Forsthaus Bern direkten Einblick in die moderne Wärmeproduktion.
Mit fast 100 Teilnehmenden zeigte der FernwärmeImpuls eindrücklich das grosse Interesse an innovativen Lösungen für eine klimafreundliche Wärmeversorgung. Der Anlass der Hoval Schweiz AG unterstrich die Bedeutung des Austauschs zwischen Technologie, Praxis und Politik für eine erfolgreiche Wärmewende.
Weitere Informationen unte www.hoval.com