Zellulose- und Chitin-basierte beschichtete Lebensmittel als Beispiel für neuartige Biomaterialien © Tevy Wädenswil

Nicht flexible Produkte aus Gluten ©Tevy Wädenswil.jpg

Mikroalgen links als wässrige Kultur rechts als Paste nach der Entwässerung ©Tevy Wädenswil.jpg

Die BIOMAT-Konferenz war zwei Tage lang Dreh- und Angelpunkt zum Thema Biomaterialien. © Tevy Wädenswil

Selçuk Yildirim, Leiter der Forschungsgruppe Lebensmittelverpackung, stellt das disziplinenübergreifende ZHAW-Programm BIOMAT vor. © Tevy Wädenswil

Auf dem Weg zu «grünen» Kunststoffen

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Die Bedeutung von Bioplastik & Co. als Alternative zu fossilen Kunststoffen nimmt in Forschung und Entwicklung stark zu. Dies zeigte die erste Biomat-Konferenz der ZHAW. Biomat steht für «Bio-based Materials Value Chains». Im Mittelpunkt standen die Entwicklung, Verarbeitung und Anwendung biobasierter Materialien.

Die Verknappung der Ölreserven, der Klimawandel, die erheblichen negativen Auswirkungen auf die Umwelt und die Abhängigkeit von politisch instabilen Regionen sind allesamt Gründe für die Suche nach Alternativen zu fossilen Ressourcen. Diesen Alternativen widmete sich die zweitägige Konferenz zum Thema biobasierte Materialien, die am 5. und 6. Oktober 2022 in Wädenswil stattfand. Akteure aus mehreren europäischen Ländern aus Wissenschaft und Industrie präsentierten an der Konferenz ihre neusten Forschungsergebnisse und innovative Materialien, die in der Praxis bereits Anwendung finden.  

Verwendung von Nebenströmen für die Produktion von Biokunststoffen ist hoch relevant 
Viele Referentinnen und Referenten der Konferenz betonten die Relevanz der Verwendung von Nebenströmen bzw. «Abfallprodukten» aus bereits bestehenden Herstellungsprozessen für die Produktion biobasierter Stoffe. So präsentierten Susanna Miescher und Nadine Rüegg von der ZHAW-Forschungsgruppe Lebensmittelverpackungen Resultate aus einer Studie, bei der Nebenströme aus der Lebensmittelindustrie – wie Kartoffelschalen und Gluten – als Rohstoffe zur Produktion von Lebensmittel­verpackungen eingesetzt werden können. Dominik Refardt von der ZHAW-Forschungsgruppe Aquakultursysteme zeigte auf, dass mit nährstoffreichen Abwässern aus einer Fischzucht Cyanobakterien kultiviert werden können, die wertvolle Biopolymere in ihren Zellen anreichern. Diese Biopolymere können zu Biokunststoffen weiterverarbeitet werden.  

Gesamte Wertschöpfungskette muss berücksichtigt werden 
Natürlich gibt es aber auch Herausforderungen, die mit der Verwendung von Nebenströmen einhergehen. Cecille Marie Cassar vom Umweltbüro Rethink Resource nannte dazu Praxisbeispiele und zeigte dem Publikum auf, welche Hürden bei der Verwendung von Nebenströmen zu erwarten sind. Wie Urs Baier von der Organisation Biomasse Suisse in seinem Einblick in die Schweizer Bioabfallwirtschaft darlegte, müssen die gesamten Wertschöpfungsketten von der Produktion bis ans Lebensende der Produkte berücksichtigt werden, um einen positiven Effekt mit biobasierten Materialien zu erzielen. 

Weitere Informationen: www.zhaw.ch/biomat