Die Swiss Retail Federation lehnt diese Änderung der Weinverordnung entschieden ab. Die Neuverteilung des Wein-Zollkontingents würde den Weinkonsum verteuern, den Wettbewerb schwächen und die administrative Belastung für die Händler erhöhen. Die Vorlage löst die Probleme der Schweizer Weinbranche nicht, belastet aber Konsumentinnen, Konsumenten und Unternehmen.
Der rückläufige Weinkonsum in der Gesellschaft stellt die Branche zweifellos vor Herausforderungen. Der Konsumrückgang betrifft Schweizer wie ausländische Weine und spiegelt einen langfristigen Wandel im Trinkverhalten wider. Die vorgeschlagene Änderung adressiert jedoch nicht die Ursachen dieser Entwicklung: Wer einen italienischen, spanischen oder portugiesischen Wein trinken möchte, wird bei höheren Preisen nicht automatisch auf Schweizer Alternativen ausweichen. Zudem wird das bestehende Zollkontingent seit Jahren nicht ausgeschöpft ein Systemwechsel ist daher sachlich nicht begründet. Aus Sicht der Swiss Retail Federation besteht deshalb keine inhaltliche Rechtfertigung für einen derart weitreichenden Systemwechsel.
«Die Vorlage bekämpft Symptome statt Ursachen. Höhere Preise für Importweine schaffen nicht automatisch mehr Nachfrage nach Schweizer Wein. Stattdessen wird Wein für die Konsumentinnen und Konsumenten insgesamt teurer, was den negativen Konsumtrend noch weiterverschärfen könnte», sagt Patrick Erny, Direktor der Swiss Retail Federation.
Höhere Preise und mehr Bürokratie
Die vorgeschlagene Neuregelung hätte erhebliche Preissteigerungen bei importierten Weinen zur Folge. Gemäss Schätzungen aus der Branche ist mit spürbaren Preissteigerungen zu rechnen: Je nach Kategorie sind Preisaufschläge von über einem Franken bis zu zwei Franken pro Flasche zu erwarten. Besonders betroffen wären preisgünstige Weine im Einstiegs- und Mittelpreissegment. Für zahlreiche Unternehmen des Detail- und Weinhandels hätte die Vorlage jährliche Mehrkosten in Millionenhöhe zur Folge.
Gleichzeitig schafft die Vorlage zusätzliche Bürokratie. Unternehmen müssten sich künftig an einem komplexeren Zuteilungssystem orientieren, was die Einkaufs- und Sortimentsplanung erschwert und zusätzliche Verwaltungs- und Kontrollkosten verursacht.
Wettbewerb und Binnenmarkt geraten unter Druck
Die Swiss Retail Federation erachtet die Vorlage auch aus einer ordnungspolitischen Perspektive als problematisch. Das heutige System funktioniert, gewährleistet Wettbewerb und sorgt für eine breite Auswahl an Weinen zu fairen Preisen. Die geplante Neuregelung benachteiligt einzelne Marktteilnehmer und schafft neue Markteintrittshürden, ohne dass ein konkreter Nutzen für die Branche erkennbar wäre. Die Vorlage stärkt die Verhandlungsmacht von Unternehmen, die Schweizer Trauben zukaufen und keltern, und droht damit, statt funktionierenden Weinhandels künftig Kontingentshandel zu begünstigen.
Höhere Preise in der Schweiz erhöhen schliesslich den Anreiz für Einkaufstourismus und Onlinebestellungen im Ausland. Gleichzeitig dürfte die Verteuerung des Angebots den bereits rückläufigen Weinkonsum zusätzlich beschleunigen. Davon betroffen wäre letztlich die gesamte Produktpalette – einschliesslich Schweizer Wein.
«Die Vorlage führt zu höheren Preisen und mehr Bürokratie – ohne einen erkennbaren Beitrag zur Stärkung des Schweizer Weinbaus», so Patrick Erny.
Weitere Informationen unter www.swiss-retail.ch