Soja- und Palmöl-Netzwerk – Gemeinsam nachhaltige Lieferkette sicherstellen

Publiziert

Die Sicherstellung der Nachhaltigkeit im Soja- und Palmanbau sowie bei der Beschaffung weiterer kritischer Rohstoffe hat sich längst zum wichtigen strategischen Unternehmensziel entwickelt. Im aktuellen Fachinterview zeigt Stefan Kausch als Koordinator der der Schweizer Soja- und Palmöl-Netzwerke auf, wie dies erreicht werden kann.

Lebensmittel-Industrie: Welche Zielsetzungen verfolgt das Soja Netzwerk Schweiz 10 Jahre nach der Gründung?
Stefan Kausch: Die Schweiz importiert jährlich rund 260’000 Tonnen Soja für Futtermittelzwecke. Tendenz stagnierend bis leicht sinkend. Vor zehn Jahren kamen die Importe ausschliesslich aus Brasilien und nur 40 Prozent waren nach einem Standard zertifiziert. Dank dem Soja Netzwerk beschafft die Schweiz heute praktisch ausschliesslich verantwortungsbewusst produziertes Futter-Soja, 50 Prozent der Importe stammen aus Europa. Verantwortungsbewusst bedeutet: Urwälder und wichtige Ökosysteme werden geschützt, problematische Pflanzenschutzmittel sind verboten, Arbeitsbedingungen und soziale Aspekte werden berücksichtigt und die gentechfreie Sojaproduktion gestärkt. Garantiert wird dies von den Standardorganisationen wie ProTerra, RTRS (Round Table on Responsible Soy), Donau Soja, ISCC (International Sustainability and Carbon Certification) und Bio Suisse.

Welche Herausforderungen stehen beim 2020 neu gegründeten Palmöl Netzwerk Schweiz im Vordergrund?
Die Schweiz importierte im Jahr 2019 23’700 Tonnen Palmöl und Palmkernöl für die Lebensmittelindustrie. Vor zehn Jahren waren die Einfuhren mit 32’000 Tonnen noch um ein Viertel höher. Je rund 30 Prozent der Palmölimporte stammen aus Malaysia und den Salomonen. Weitere Herkunftsländer sind Elfenbeinküste, Papua-Neuguinea, Kambodscha und Kolumbien. Weil die Schweiz bereits heute Palm(kern)öl zu 95 Prozent mit «RSPO» (Round Table on Sustainable Palm Oil) oder Bio-Suisse-Zertifizierung beschafft, will das Palmöl Netzwerk gezielt Verbesserungen in den Lieferketten erreichen. Es geht darum, Zusatzkriterien, die über den RSPO-Standard hinausgehen, zu implementieren und die Rückverfolgbarkeit bis auf die Plantage respektive Kooperative sicherzustellen. Zudem werden in Zukunft Projekte für Kleinproduzenten umgesetzt und das Handlungsfeld kontinuierlich erweitert und beispielsweise weitere tropische Öle nachhaltig beschafft.

Ergeben sich bei den beiden Netzwerken Synergien?
Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile: Freiwillige, gemeinsam getragene Brancheninitiativen eignen sich, um in den Lieferketten Qualitätsanforderungen in der Breite zu implementieren. Mit ihrem gemeinsamen Vorgehen zeigen die Mitglieder ihre Verantwortung und ihren Willen, Positives zu bewirken. In den Netzwerken werden gemeinsame Ziele definiert, die Kräfte und Massnahmen gebündelt und mit einer Stimme aufgetreten. Damit erhält die Initiative als Ganzes mehr Gewicht, mehr Durchsetzungsvermögen und entfaltet mehr Wirkung. Unsere Aufgabe bei beiden Netzwerken ist es, die Arbeiten zu koordinieren, strategische Leitplanken zu setzen, mit Stakeholdern zu interagieren und regelmässig faktenbasiert über die Zielerreichung sowie Fortschritte und Herausforderungen zu kommunizieren.

Welche Erkenntnisse ziehen Sie aus der HAFL-Studie «Wirkungsanalyse: Nachhaltigkeit der Schweizer Soja-Importe»?
Wir haben dank der Studie Gewissheit, dass die Futter-Sojaimporte der Schweiz aus Brasilien garantiert aus abholzungsfreien Gebieten stammen. Verbesserungspotential gibt es im Bereich Pflanzen- und Biodiversitätsschutz. Diese Aspekte werden wir mit den Standardorganisationen in den nächsten Jahren angehen. Eine Empfehlung der HAFL-Studie haben wir bereits umgesetzt: In einer Erklärung fordern die 30 Mitglieder des Soja Netzwerks die brasilianischen SojaHändler auf, die Abholzung im Cerrado zu stoppen.

Welche weiteren Rohstoffe sind kritisch? Wie lässt sich die nachhaltige Beschaffung generell sicherstellen?
Im Prinzip lassen sich freiwillige Branchenlösungen überall realisieren. Das zeigen Beispiele wie der «grüne Teppich» für Schweizer Milch oder die «Swiss Better Gold Association» für Goldimporte in die Schweiz. In der Lebensmittelbranche sehe ich noch grosses Potential für Brancheninitiativen bei Fleisch und Fisch.

Fokus im Bereich Verarbeitung und Handel für die Lebensmittel-Branche? Relevanz und Kooperationen mit Branchenstandards und Labelprogrammen?
Nachhaltigkeits-Standards im Lebensmittelsektor sind eine Erfolgsgeschichte. Die bekanntesten Standards wie Bio Suisse oder Max Havelaar haben sich zu eigentlichen Marken entwickelt. Die Anwendung von Standards bringt mehr Transparenz und Verbindlichkeit in der Lieferkette: Faktoren, die in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden. Wichtig ist, dass Standards nicht stehen bleiben und sich kontinuierlich weiterentwickeln. Daran arbeiten beide Brancheninitiativen zum Beispiel indem Benchmarks oder Wirkungsstudien durchgeführt werden, um davon Verbesserungsmassnahmen für die Weiterentwicklung der Kriterien abzuleiten.

In der Lebensmittelverarbeitung kommen viele Zutaten und Zusatzstoffe aus Soja-/ Palmquellen zum Einsatz. Was gilt es dabei zu beachten?
Der Bedarf von Speisesoja oder Sojalecithin der Schweiz ist im Vergleich zum Futtermittelbedarf gering, weshalb der Fokus im Soja Netzwerk auf Futter-Soja liegt. Die Importeure im Palmöl Netzwerk beschaffen Fraktionen und Stearin für die Lebensmittelverarbeitung gemäss RSPO-Vorgaben.

Label- und RohstoffRatings stellen eine grosse Herausforderung für die Unternehmen dar. Bietet die Mitwirkung bei den Netzwerken Vorteile?
In den Ratings wird die Mitgliedschaft bei freiwilligen Brancheninitiativen wie dem Soja- oder Palmöl-Netzwerk als Pluspunkt bewertet. Die Unternehmen können dadurch aufzeigen, dass sie sich kooperativ und langfristig für Verbesserungen einsetzen.

Sie koordinieren die Soja- und PalmölNetzwerke als Mitinhaber «pluswert». Welche Schwerpunkte setzt Ihr Unternehmen darüber hinaus?
Die Agentur pluswert GmbH ist in der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft aktiv. Spezialisiert hat sie sich auf die Spannungsfelder von Markt und Politik, Ökologie und Ökonomie, Profit und Non Profit. Die Geschäftsstellen Sojaund Palmöl-Netzwerk, die Agrarallianz und die Interessensgemeinschaft Agrarstandort Schweiz sind aktuelle Mandate der Agenturen in Basel und Chur. Marketingdienstleistungen für Food-KMU und Labelorganisationen sowie Abstimmungskampagnen im Nachhaltigkeitsumfeld runden die Dienstleistungen ab.

www.sojanetzwerk.ch
www.palmoelnetzwerk.ch
www.pluswert.ch/ueber-uns

EVENTS

Lebensmitteltag

Food Innovations Pop-Up: Zeige verträgliche Lösungen für Mensch und Planet.

Datum: 18. April 2024

Ort: Luzern (CH)

Lebensmitteltag

Die führende schweizerische Lebensmittelfachtagung von bio.inspecta und SQS

Datum: 18. April 2024

Ort: Luzern (CH)

Hannover Messe

Transfoming Industry Togheter

Datum: 22.-26. April 2024

Ort: Hannover (D)

IFAT

Weltleitmesse für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft

Datum: 13.-17. Mai 2024

Ort: München (D)

VITAFOODS EUROPE

Messe für Nutraceuticals, Functional Food & Drinks

Datum: 14.-16. Mai 2024

Ort: Genf (CH)

drupa

Weltweit führende Fachmesse für Drucktechnologien

Datum: 28. Mai-07.Juni 2024

Ort: Düsseldorf (D)

ArbeitsSicherheit Schweiz

Fachmesse für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz

Datum: 05.-06. Juni 2024

Ort: Zürich (CH)

Achema

Internationale Leitmesse der Prozessindustrie

Datum: 10.-14. Juni 2024

Ort: Frankfurt am Main (D)

SENSOR + TEST

Internationale Fachmesse für Sensorik, Mess- und Prüftechnik

Datum: 11.-13. Juni 2024

Ort: Nürnberg (D)

Swiss Green Economy Symposium

Das Swiss Green Economy Symposium ist die umfassendste Konferenz zu Wirtschaft und Nachhaltigkeit mit zunehmend internationaler Ausstrahlung. Seit 2013.

Datum: 27.-29. August 2024

Ort: Winterthur (CH)

all about automation

Fachmesse für Industrieautomation

Datum: 28.-29. August 2024

Ort: Zürich (CH)

maintenance Schweiz

Schweizer Fachmesse für industrielle Instandhaltung und Facility Management

Datum: 28.-29. August 2024

Ort: Zürich (CH)

FachPack

Europäische Fachmesse für Verpackung, Technik, Veredelung und Logistik

Datum: 24.-26. September 2024

Ort: Nürnberg (D)

W3+ Fair Jena

Europas führende Plattform für Forschung und Innovationskraft

Datum: 25.-26. September 2024

Ort: Jena (D)

Ilmac Lausanne

Networking. Forum. Aussteller

Datum: 25.-26. September 2024

Ort: Lausanne (CH)

Ilmac

Fachmesse für Prozess- und Labortechnologie

Datum: 18.-19. September 2024

Ort: Lausanne (CH)

SÜFFA

Die Fachmesse für die Fleischbranche

Datum: 28. - 30. September 2024

Ort: Stuttgart (D)

IN.STAND

Die Messe für Instandhaltung und Services

Datum: 08.-09. Oktober 2024

Ort: Stuttgart (D)

Chillventa

Weltleitmesse der Kältetechnik

Datum: 08.-10. Oktober 2024

Ort: Nürnberg (D)

SIAL

Fachmesse für Nahrungsmittel-Innovationen

Datum: 19.-23 Oktober 2024

Ort: Paris (F)

Südback

Fachmesse für das Bäcker- und Konditorenhandwerk

Datum: 26.-29. Oktober 2024

Ort: Stuttgart (D)

ALL4PACK EMBALLAGE

The global marketplace for Packaging Processing Printing Handling

Datum: 04.-07. November 2024

Ort: Paris (F)

Brennpunkt Nahrung

Fachkonferenz über Trends, Märkte und Management

Datum: 5. November 2024

Ort: Luzern (CH)

5. Future Food Symposium

 «Made in Switzerland - Gute Partnerschaften für mehr Ernährungssouveränität»

Datum: 8. Februar 2024

Ort: Online-Event (CH)

electronica

Weltleitmesse und Konferenz der Elektronik

Datum: 12.-15. November 2024

Ort: München (D)

Fi Europe

Internationale Fachmesse für Lebensmittelzusatzstoffe

Datum: 19.-21. November 2024

Ort: Frankfurt (D)

BrauBeviale

Europäische Fachmesse für die Getränkewirtschaft

Datum: 26.-28. November 2024

Ort: Nürnberg (D)

BioFach

Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel

Datum: 11.-14. Februar 2025

Ort: Nürnberg (D)

CCE International

Europas wichtigster Branchenevent für die Wellpappen- und Faltschachtelindustrie.

Datum: 11.-13. März 2025

Ort: München (D)

IFFA

Internationale Leitmesse – Technology for Meat and Alternative Proteins

Datum: 03.-08. Mai 2025

Ort: Frankfurt (D)

TUTTOFOOD

Internationale B2B-Messe für Food & Beverage

Datum: 05.-08. Mai 2025

Ort: Mailand (I)

iba

Die führende Weltmesse für Bäckerei, Konditorei und Snacks

Datum: 18.-22. Mai 2025

Ort: München (D)

LABVOLUTION

Europäische Fachmesse für innovative Laborausstattung und die Optimierung von Labor-Workflows

Datum: 20.-22. Mai 2025

Ort: Hannover (D)

Automatica

Die Leitmesse für intelligente Automation und Robotik

Datum: 24.-27. Juni 2025

Ort: München (D)

SINDEX

Schweizer Messe für industrielle Automatisierung

Datum: 02.-04. September 2025

Ort: Bern (CH)

Oils + fats

Leitmesse der Öl- und Fettindustrie in Europa.

Datum: 15.-19. September 2025

Ort: München (D)

Drinktec Deutschland

Auf der Weltleitmesse der Getränke- und Liquid-Food-Industrie

Datum: 15.-19. September 2025

Ort: München (D)

AM Expo

Fachmesse und Symposium: Inspiration, Weiterbildung und Netzwerk

Datum: 16.-17. September 2025

Ort: Luzern (CH)

CMS Berlin

Internationale Leitmesse für Reinigung und Hygiene

Datum: 23.-26. September 2025

Ort: Berlin (D)

POWTECH

Pharma.Manufacturing.Excellence

Datum: 23. - 25. September 2025

Ort: Nürnberg (D)

Anuga

Weltweite Ernährungsmesse für Handel und Gastronomie/Ausser-Haus-Markt

Datum: 04.-08. Oktober 2025

Ort: Köln (D)

A + A

Messe und Kongress für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit

Datum: 04.-07. November 2025

Ort: Düsseldorf (D)

igeho

Internationale Branchenplattform für Hotellerie, Gastronomie, Take-away und Care

Datum: 15.-19. November 2025

Ort: Basel (CH)

AQUA Suisse

Die Schweizer Fachmesse für kommunales und industrielles Wassermanagement.

Datum: 26.-27. November 2025

Ort: Zürich (CH)

Pumps & Valves

Die Fachmesse für industrielle Pumpen, Armaturen & Prozesse

Datum: 26. - 27. November 2025

Ort: Zürich (CH)

EuroShop

Fachmesse für den Investitionsbedarf des Handels

Datum: 22.-26. Februar 2026

Ort: Düsseldorf (D)

interpack

Führende Messe für Prozesse und Verpackung

Datum: 07.-13. Mai 2026

Ort: Düsseldorf (D)

Bezugsquellenverzeichnis