Während sich der weltweite Wettlauf um KI- und Quantentechnologien beschleunigt, baut das Schweizer Deep-Tech-Unternehmen CCRAFT in Neuchâtel Produktionskapazitäten für photonische Chips im industriellen Massstab auf. Das Unternehmen will die Schweiz an die Spitze einer der wichtigsten Schlüsseltechnologien der digitalen Wirtschaft führen.
Der Hersteller photonischer Chips CCRAFT hat seine Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen und dabei USD 7,8 Millionen (CHF 6,3 Millionen) gesichert. Mit den Mitteln wird das Unternehmen seine ambitionierte technologische Roadmap zur Industrialisierung der Produktion umsetzen und zusätzliche Fertigungskapazitäten schaffen, um führende Tier-1-Kunden zu beliefern. Darüber hinaus hat es bereits mehr als USD 3,5 Millionen (CHF 3 Millionen) an öffentlichen Fördergeldern und kantonaler Unterstützung gesichert. Mit insgesamt USD 11,3 Millionen frischem Kapital beschleunigt das Unternehmen den Aufbau einer industriellen Produktion photonischer Chips in der Schweiz. Die Finanzierungsrunde wurde von Qbit Capital angeführt. Weitere Investoren sind die Zürcher Kantonalbank, Apprecia Capital, Spacewalk, Blue Wonder Ventures sowie ein führendes europäisches Unternehmen im Bereich KI-Infrastruktur.
Derzeit wird weltweit die Infrastruktur für künstliche Intelligenz aufgebaut. Dadurch steigt die Nachfrage nach Photonik-Chips der nächsten Generation, die Daten schneller übertragen und dabei deutlich weniger Energie verbrauchen. Eine industrielle Fertigung von TFLN-basierten Photonik-Chips ist bislang weitgehend nicht verfügbar. „CCRAFT wurde gegründet, um eine über viele Jahre am CSEM entwickelte technologische Grundlage zu industrialisieren und zu kommerzialisieren. Heute betreiben wir die weltweit erste unabhängige Foundry für TFLN-Photonik-Chips und produzieren bereits für Kunden auf vier Kontinenten. Die nächste Herausforderung besteht darin, auf unserem Vorsprung aufzubauen und die Produktion rasch zu skalieren, um in diesem aufstrebenden Markt eine weltweit führende Position einzunehmen“, sagt Hamed Sattari, Co-Founder und CEO von CCRAFT.
Um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden, plant das Unternehmen, seine Produktionsplattform in Neuchâtel bis 2030 auf eine Kapazität von 2’000 Wafer (dünne Scheiben, auf denen photonische Chips gefertigt werden) pro Monat auszubauen. Der weltweite Markt für photonische integrierte Schaltkreise wird auf USD 15 bis 20 Milliarden geschätzt. Allein der adressierbare Markt für TFLN-basierte Photonik-Chips dürfte bis 2030 ein Volumen von mehreren Milliarden US-Dollar erreichen.
Strategische Chance für die Schweiz
„Europa hat seine Wettbewerbsfähigkeit in der traditionellen Halbleiterproduktion weitgehend eingebüsst. Bei Photonik-Chips ist das Rennen jedoch noch völlig offen“, sagt Sattari. „Die Schweiz zählt in diesem Bereich zu den weltweit führenden Technologiezentren. Die Herausforderung besteht aktuell darin, diesen technologischen Vorsprung in industrielle Produktion, qualifizierte Arbeitsplätze und globale Lieferketten zu überführen und schneller zu skalieren als die internationale Konkurrenz.“
Da Halbleiter zunehmend auch aus geopolitischer Sicht an Bedeutung gewinnen, steigt die strategische Relevanz der Schweiz als Produktionsstandort. Neben technologischer Exzellenz rücken vertrauenswürdige Lieferketten, der Schutz geistigen Eigentums, politische Stabilität und industrielle Souveränität zunehmend in den Fokus.
CSEM als Technologie- und Innovationspartner
Die technologische Grundlage von CCRAFT beruht auf mehr als sechs Jahren Forschung und Entwicklung am CSEM in Neuchâtel. In den vergangenen Jahren hat das Team über die Pilotproduktionslinie photonische Chips für mehr als 40 Partner weltweit gefertigt. Die Technologie wird nun von CCRAFT kommerzialisiert und für die industrielle Serienproduktion skaliert. Das CSEM wird diesen Übergang als wichtiger Technologie- und Innovationspartner weiterhin begleiten.
„Wir haben das Potenzial der Dünnschicht-Lithiumniobat-Photonik bereits vor vielen Jahren erkannt und frühzeitig in die Entwicklung dieser Technologieplattform investiert“, sagt Alexandre Pauchard, Ceo des CSEM. „Angesichts der stetig wachsenden Nachfrage nach Photonik-Chips der nächsten Generation zeigt CCRAFT, wie sich langfristige Forschung erfolgreich in industrielle Fertigung und wirtschaftliche Wertschöpfung überführen lässt.“
Was sind Photonik-Chips?
Photonik-Chips sind hochentwickelte Mikrochips, die Licht nutzen, um Daten schneller und effizienter zu übertragen und zu verarbeiten als herkömmliche elektronische Chips. Daher gelten sie weithin als Schlüsseltechnologie für die nächste Generation von KI-Rechenzentren, Hochgeschwindigkeits-Kommunikationsnetzen, Quantentechnologien sowie fortschrittlichen Sensor- und Luft- und Raumfahrtanwendungen.
CCRAFT konzentriert sich auf Dünnschicht-Lithiumniobat (Thin-Film Lithium Niobate, TFLN), eine der weltweit vielversprechendsten Plattformen für Hochleistungsphotonik. TFLN-basierte Chips ermöglichen aussergewöhnlich hohe Datenraten bei gleichzeitig deutlich geringerem Energieverbrauch. Laut CCRAFT erhöht die Technologie die Bandbreite der Datenübertragung gegenüber bestehenden Lösungen erheblich und senkt zugleich den Energiebedarf pro übertragenem Bit deutlich.
Die Nachfrage nach solchen Technologien wird insbesondere durch den raschen weltweiten Ausbau der KI-Infrastruktur angetrieben. Moderne Rechenzentren benötigen Hunderttausende von photonischen Chips, um die wachsenden Datenmengen, die zwischen Prozessoren, Speichersystemen und Netzwerken ausgetauscht werden, effizient zu verarbeiten.
Weitere Informationen unter www.ccraft.com