Ausschnitt Zeitstrahl Ramseier. RAMSEIER SUISSE AG

Degustationsmöglichkeit in der Erlebniswelt. RAMSEIER SUISSE AG

Produktion Ramseier Schorle. RAMSEIER SUISSE AG

Christoph Richli, CEO Ramseier Suisse AG

Tradition und kreative Leistungsbereitschaft

Publiziert

Am 1. April 2020 hat Christoph Richli nach langjähriger Tätigkeit in der Geschäftsleitung neu die Verantwortung als CEO der Ramseier Suisse AG übernommen. Wir nehmen dies zum Anlass für einen Austausch zur aktuellen Entwicklung des Traditionsunternehmens – und einen Zukunftsblick.

Lebensmittel-Industrie: Die unvermeidliche Frage zuerst – welche Herausforderungen bringt/brachte die Corona-Situation für die technischen/betrieblichen Abläufe?
Christoph Richli: Die korrekte Interpretation und konsequente Umsetzung der BAG-Vorschriften hat sich in der Zwischenzeit gut eingependelt. Zu Beginn der Krise stellte der Umgang mit den behördlichen Informationen und die für unsere betrieblichen Abläufe richtige Praxisumsetzung jedoch eine Herausforderung dar. Ein wichtiges Element bildete dabei die laufende Information und Schulung der Mitarbeitenden.

Wie entwickelt sich unter diesen Rahmenbedingungen der Geschäftsgang; gibt es Nachfrage-Verschiebungen bei den Sortimenten?
Die Ramseier Suisse AG verkauft Getränke in den Detailhandel und in die Gastronomie. Während der Lockdown-Phase sind die Gastro-Absatzmengen zwischenzeitlich eingebrochen. Der Detailhandel konnte dies teilweise kompensieren. Allerdings spielen Gastronomie-Klassiker wie der «Suure Moscht in Bügelflaschen» im Einzelhandel eine geringere Rolle, was zu Sortimentsverschiebungen geführt hat. Bei den Gebindesorten, von Mehrweg-Glas für die Gastronomie zu Einwegverpackungen im Detailhandel, war dies besonders spürbar. Während einige Anlagen mit voller Leistung liefen, standen andere zeitweise fast still.

Die Ramseier Suisse AG gehört zur genossenschaftlich organisierten fenaco Gruppe – welche Vorteile und welche Herausforderungen bringt dies mit sich?
Wir profitieren vom Netzwerk der fenaco Gruppe und den unterstützenden Dienstleistungen. Sehr wertvoll ist beispielsweise die gemeinsame IT-Infrastruktur. Die fenaco ist so dezentral wie möglich organisiert – und so zentral wie nötig. Die Ramseier Suisse AG ist bei der Erarbeitung von Strategien und deren Umsetzung selbständig. So sind wir nah am Markt und an unseren Kunden. Das ist wichtig. Denn an unserer Marktleistung werden wir letztlich gemessen – auch von den Abnehmern innerhalb der fenaco Gruppe. Bei der strategischen Entwicklung arbeitet der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung zusammen mit weiteren Verantwortlichen gut vernetzt und projektorientiert.

Ramseier steht für das Traditionsprodukt Apfelsaft – welchen Stellenwert hat dieser Klassiker heute?
Apfelsaft hat einen sehr hohen Stellenwert für die Marke «Ramseier» und bildet die Basis für viele unserer Getränke. Auch die 100-prozentigen Säfte wie der traditionelle «Süessmost», der «Hochstämmer» oder der «Frisch-ab-Press-Saft» sind nach wie vor beliebt. Zunehmend sind jedoch leichtere Produktkonzepte gefragt. Neben dem Apfelsaft stellen wir dies auch bei unserem Klassiker «Suure Moscht» fest und lancieren aktuell den neuen Ramseier «Milde Moscht».

Seit einigen Jahren fällt das Unternehmen mit Tee- und Mischgetränken und weiteren Innovationen auf – welche strategischen Ziele stehen dahinter?
Natürlichkeit ist seit über 100 Jahren ein Kernwert der Marke «Ramseier». Der Marktnachfrage nach vermehrt leichten und natürlichen Produkten tragen wir Rechnung. Leichtere Mischgetränke wie beispielsweise «Zisch» mit 30 Prozent Saftanteil oder der beliebte «Huus-Tee» sind in den letzten Jahren dazugekommen. Die Ramseier Suisse AG hat eine hohe Kompetenz im Aufbrühen von frischem Tee, ergänzt mit unserem eigenen Obstsaft zur Süssung ist das die perfekte Mischung.

Wie organisiert das Ramseier-Team die entsprechende Forschung und Entwicklung bei der Sortimentserweiterung?
Wichtig ist die Grundhaltung, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Für die Praxis wurde ein Innovationsprozess etabliert, welcher die systematische Analyse von Informationsquellen sicherstellt. Wir organisieren jährlich mehrere Innovations-Workshops, welche breit in der Unternehmung abgestützt sind. Das für die Umsetzung verantwortliche Team hat eine Art «Trichterfunktion», also die Aufgabe, Ideen und Impulse im Alltag zu sammeln und festzuhalten. Zum passenden Zeitpunkt lassen sich diese danach im richtigen Detaillierungsgrad weiterverfolgen.

Welche technologischen Herausforderungen sind bei wachsender Sortimentsvielfalt zu bewältigen, beispielsweise bei Chargenwechseln und angesichts von QM- und Zertifizierungsanforderungen?
Die Komplexität in der Produktionsplanung hat zugenommen. Die Erfüllung der branchenüblichen QM- und Zertifizierungs-Standards stellen wir durch eine flexible Leistungsfähigkeit und Produktivität sicher. Um den vielfältigen Herausforderungen gewachsen zu sein, haben wir zusätzlich einen «Sales & Operations Planning»-Prozess, kurz «S & OP» genannt, etabliert. Dieser wird durch die neu geschaffene Stelle des «Demand-Planners» unterstützt. In monatlichen Meetings zusammen mit der Geschäftsleitung wird die Kapazitätsplanung kurz- und mittelfristig abgesprochen. Zur Unterstützung der Planung stehen uns zudem zeitgemässe virtuelle Tools zur Verfügung, bei denen beispielsweise saisonale und wetterbedingte Nachfrage-Schwankungen integriert sind.

Stichworte Bio- und weitere Labels, Regionalität und Swissness – wie positioniert sich Ramseier strategisch und betreffend Sortiment?
Die Marke «Ramseier» steht seit jeher für Heimatlichkeit. Aufgrund dieses Grundwerts verarbeiten wir, sofern verfügbar, auch Bio-Produkte oder Produkte regionaler Herkunft und vermarkten die entsprechenden Angebote. Labels sind für uns wichtig und werden nachgefragt. Wir führen Labels, die zu unseren Marken und Produkten passen, und versuchen einen «Label-Dschungel» zu vermeiden.

Stichwort «Clean Label»: Welche Rolle spielt für Ramseier der Trend zu einfachen und authentischen Rezepturen ohne oder mit weniger Zusatz- und Verarbeitungs-Hilfsstoffen?
Die Rezepturen der Marke «Ramseier» entsprechen bereits diesen Ansprüchen. Aber selbstverständlich ist dies auch bei anderen Produktsortimenten ein Thema, welches wir schon länger verfolgen.

Stichwort «Fachkräfte»: Finden Sie genügend Fachpersonen mit Berufsausbildung/Weiterbildungen und/oder Ingenieur-Studienabschluss?
Im Bereich «Operations und Technologie» finden wir die benötigten Fachkräfte. Dies auch aufgrund des starken Brands und der positiven Ausstrahlung als Arbeitgeber. Der Fokus im Auswahlverfahren liegt bei uns nicht nur auf der Ausbildung und der Erfahrung, sondern auch auf dem «Kultur-Fit». Teamfähigkeit, Agilität und Leistungsbereitschaft stellen dabei wichtige Werte und Voraussetzungen dar.

Wie engagiert sich Ramseier und die fenaco Gruppe insgesamt in der Berufsausbildung und bei der Begleitung von Studien-Praktika?
Ramseier bildet in drei verschiedenen Berufsfeldern Lernende aus: KV, Logistik sowie Lebensmitteltechnologie der Fachrichtung Getränke und Bier. Schweizweit bildet die fenaco jährlich über 500 Lernende aus. Bezüglich Praktika engagieren wir uns situativ in der Startphase von «Operations Trainee-Programmen», sogenannten OPS. Die fenaco investiert in den Auftritt an Berufsmessen wie der Zentralschweizer Bildungsmesse «Zebi» und an der Berufs- und Ausbildungsmesse «Bam». Die Ramseier Suisse AG nimmt ausserdem jeweils an
der Zebi teil.

Welche Ziele verbinden sich mit der neuen Ramseier Erlebniswelt: Gibt es auch Angebote für ein Fachpublikum?
Die Ramseier Erlebniswelt ist grundsätzlich für Konsumentinnen und Konsumenten konzipiert und spricht ein sehr breites Publikum an. Es gibt für alle Besucher viel zu entdecken! Wir zeigen den ganzen Weg vom Apfelbaum bis zur Abfüllung des Obstsaftes auf. Zudem vermitteln wir einen historischen Überblick zur Entwicklung unseres Unternehmens. Neben dem eigenständigen Rundgang können Gruppen Führungen durch die Erlebniswelt buchen, welche bei Bedarf mit einem Anlass kombiniert werden können.

www.ramseier.ch

EVENTS

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Weltleitmesse für Vliesen

Datum: 20. - 23. Oktober 2020

Ort: Genf (CH)

Empack Schweiz

The Future of Packaging Technology

Datum: 18. - 19. November 2020

Ort: Zürich (CH)

Logistics & Distribution

Schweizer Fachmesse für Logistik und Transport

Datum: 18. - 19. November 2020

Ort: Zürich (CH)

FBKplus

Schweizer Fachmesse für Bäckerei-, Konditorei- und Confiseriebedarf

Datum: 16. - 19. Januar 2021

Ort: Bern (CH)

ISM

Weltleitmesse für Süsswaren und Snacks

Datum: 31. Januar - 03. Februar 2021

Ort: Köln (D)

Pro Sweet Cologne

Internationale Zuliefermesse für Süsswaren- und Snackindustrie

Datum: 31. Januar - 03. Februar 2021

Ort: Köln (D)

Pumps & Valves

Fachmesse für Pumpen- und Ventiltechnik

Datum: 10. - 11. Februar 2021

Ort: Zürich (CH)

maintenance Schweiz

Schweizer Fachmesse für industrielle Instandhaltung und Facility Management

Datum: 10. - 11. Februar 2021

Ort: Zürich (CH)

BioFach

Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel

Datum: 17. - 20. Februar 2021

Ort: Nürnberg (D)

EuroCIS

Fachmesse für Retail Technologien

Datum: 23. - 25. Februar 2021

Ort: Düsseldorf (D)

LogiMat

Internationale Fachmesse für Intralogistik

Datum: 09. - 11. März 2021

Ort: Stuttgart (D)

INTERNORGA

Leitmesse für den Ausser-Haus-Markt

Datum: 12. - 16. März 2021

Ort: Hamburg (D)

Anuga FoodTec

Internationale Zuliefermesse für die Lebensmittel-und Getränkeindustrie

Datum: 23. - 26. März 2021

Ort: Köln (D)

Lebensmitteltag

Die führende schweizerische Lebensmittelfachtagung von bio.inspecta und SQS

Datum: 15. April 2021

Ort: Luzern (CH)

Bezugsquellenverzeichnis