Gebanas neue Fabrik für Cashews und getrocknete Mangos steht. Seit November 2025 laufen die Knackmaschinen, Mangos kommen seit April dieses Jahres aus den Trocknungsöfen. 1080 Menschen arbeiten bereits in der neuen Anlage in Burkina Faso – in mehreren Produktionshallen, einem Bürogebäude, einer Kantine und einem Kinderhort.
Neueröffnung trotz Herausforderungen
In Europa einen Betrieb für die Verarbeitung von Lebensmitteln auf einer grünen Wiese aufzubauen, ist anspruchsvoll. Das gleiche Vorhaben in einem Land wie Burkina Faso ist geprägt von Überraschungen und unvorhersehbaren Herausforderungen. Zwei Jahre Bauzeit waren geplant, gedauert hat es drei. Während dieser Phase fanden in Burkina Faso gleich zwei Militärputsche statt, welche die administrativen Prozesse jeweils um drei bis vier Monate verzögerten.
«Diese Fabrik ist ein Meilenstein in der 50-jährigen Geschichte von Gebana und die grösste Investition, die wir je getätigt haben», sagt Geschäftsführer Christophe Schmidt. Es war auch die risikoreichste. 11 Millionen Euro waren budgetiert, 12 Millionen hat sie gekostet. Am Ergebnis ändert all das nichts: «Wir schaffen mit der Fabrik Wertschöpfung, Arbeitsplätze und wirtschaftliche Entwicklung dort, wo die Rohstoffe unserer Produkte wachsen», sagt Schmidt weiter und ergänzt: «Wir unterstreichen damit ausserdem unser Engagement gegenüber den Bauernfamilien, mit denen wir zusammenarbeiten. Das ist die Wirkung, die wir mit unserem Handel erzielen wollen.»
Ein Teil des Startkapitals für die neue Fabrik sammelte Gebana im Jahr 2021 über die Crowdfunding- Kampagne Walls Against Walls. Über 2000 Menschen beteiligten sich damals und steuerten rund 900 000 Euro bei. Nicht zuletzt dank diesem beispiellosen Engagement ist «la belle usine», die schöne Fabrik, wie sie vor Ort liebevoll genannt wird, nun Realität.
Cashews angebaut und verarbeitet in Westafrika
Doch warum braucht es so eine Fabrik? Rund 90 Prozent der Cashewnüsse aus Westafrika werden heute zum Knacken nach Asien transportiert. Eine ungeknackte Cashewnuss wiegt allerdings rund das Fünffache des genussfertigen Kerns. Es wird also viel unnötiges Gewicht über das Meer geschippert. Ausserdem geht jegliche Wertschöpfung vor Ort verloren. Statt dort Einkommen zu schaffen, wo der Rohstoff wächst, wird auf einem anderen Kontinent damit Geld verdient. Mit der neuen Fabrik zeigt Gebana einmal mehr, dass es anders geht.
Die neue Fabrik ermöglicht es Gebana nun, vor Ort deutlich mehr zu bewirken als bisher: Bei voller Auslastung soll die Fabrik über 1000 neue Arbeitsplätze schaffen und Marktzugang für mehr Bauernfamilien als je zuvor bieten. Heute liefern rund 5600 Familien ihre Bio-Cashews und -Mangos an Gebana; Ziel ist es, diese Zahl auf 7000 zu steigern.
Zusätzlich zum Bio- und Fairtrade-Preis erhalten sie im Rahmen des Gebana-Modells 10 Prozent des Verkaufspreises ihrer Produkte im Gebana- Onlineshop und profitieren von Schulungen in Bio-Anbau, Agroforstwirtschaft sowie von Zugang zu landwirtschaftlichen Werkzeugen und biologischen Pflanzenschutzmitteln.
Dort gebaut, wo es keine andere Firma wagt
Kaum ein westliches Unternehmen investiert heute in derartigem Umfang in langfristige Projekte in Burkina Faso. Überraschend ist das nicht angesichts der sicherheitspolitischen Lage. Gebana ist trotz dieser Risiken seit über 20 Jahren mit einer eigenen Tochterfirma vor Ort – und hat in dieser Zeit die Zahl der Mitarbeitenden und der Bauernfamilien, mit denen das Unternehmen zusammenarbeitet, stetig gesteigert.
Wie wichtig die Fabrik für Burkina Faso ist, zeigt sich auch beim Blick auf den World Investment Report 2025 der UNCTAD. Demnach beliefen sich die ausländischen Direktinvestitionen in Burkina Faso im Jahr 2024 auf nur noch 83 Millionen US Dollar. Gebanas 12-Millionen- Euro-Fabrik allein entspricht also rund 15 Prozent der gesamten ausländischen Investitionen in Burkina Faso.
Gebana
Gebana ist ein echtes Pionierunternehmen des fairen Handels in der Schweiz. Was mit den Bananenfrauen und gerechten Bananen (= Gebana) in den 1970er Jahren begann, ist heute ein Unternehmen mit rund 800 Mitarbeitenden weltweit. 96 Prozent davon in Ländern des Südens.
Schokolade in Schweizer Qualität, hergestellt in Afrika
Die Schweizer Fair-Trade-Pionierin Gebana dreht die Produktion von Schokolade auf den Kopf: Statt Kakao in Afrika einzukaufen und dann Schokolade in der Schweiz herzustellen, will das Unternehmen künftig direkt in Togo produzieren – in Schweizer Qualität. Gebana baut damit ein bewährtes Konzept weiter aus, mit dem das Unternehmen bereits erfolgreich Projekte wie die 2026 neu eröffnete Fabrik für Cashews und Mangos in Burkina Faso realisierte. Schweizer Schokoladequalität aus Afrika, geht das? «Qualität ist eine Frage der Technologie. Mit der gleichen Technologie und Schweizer Produktions-Know-how kannst du Swiss Quality in Togo herstellen», sagt Markus Lutz, der 30 Jahre lang in der Produktentwicklung und im Qualitätsmanagement beim Schweizer Schokoladehersteller Stella Bernrain tätig war und Gebana in beratender Funktion zur Seite steht.