Über Trends


Liebe Leserin, lieber Leser

Wenn es um die Produktivität in der Landwirtschaft geht, stehen die Amerikaner ganz vorne. So wundert es denn auch nicht, wenn die helvetische Agrarwirtschaft die Entwicklungen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten interessiert mitverfolgt. Obwohl die US-Farmen zahlenmässig seit Jahren schrumpfen, nimmt die Produktion jährlich um etwa 1,5 Prozent zu. Das liegt unter anderem daran, dass sich die dortigen Bauern kontinuierlich an neue Situationen anpassen und im wahrsten Sinne des Wortes mit der Zeit gehen. Jüngstes Beispiel: Die gegenwärtige Datenrevolution treibt den jüngsten Produktivitätsschub zusätzlich kräftig an. Das US-Landwirtschaftsministerium schätzt, dass inzwischen auf rund der Hälfte der US-Anbaufläche der wichtigsten Kulturen – das sind hauptsächlich Mais, Soja und Weizen – GPS-Leitsysteme eingesetzt werden. Soweit, so gut. Oder doch nicht? Die erfolgsverwöhnten Farmer fürchten sich vor schlechten Zeiten, die möglicherweise anbrechen könnten. Die Angst hat einen Namen: Donald Trump. Grund des Pessimismus: Einerseits sind die Bauern während der Erntezeiten auf Immigranten als Arbeitskräfte angewiesen. Andererseits befürworten sie offene Märkte und sind deshalb ob der zunehmend protektionistischen Stimmung in Washington besorgt.

Die neue amerikanische Administration sorgt gegenwärtig praktisch weltweit für Aufmerksamkeit. Auch in der Schweiz. Insbesondere Vertreter aus Wirtschaftskreisen – und darunter auch viele Führungspersonen aus der Lebensmittelindustrie – verfolgen die US-Politik mit Argus-Augen. Bis dato erfolgten indes keine gravierenden negativen Einschnitte. Auch unser Interviewpartner Thomas Gysi, Inhaber und Geschäftsführer der Gysi AG Chocolatier Suisse, stellt beim Export von Schokoladenprodukten in die USA keine Veränderungen fest – und rechnet auch künftig eher nicht damit (Seite 8).

Diese Einschätzung stützt Arthur Laffer. Der bekannte 76-jährige Ökonom war unter Präsident Ronald Reagan der einflussreichste Wirtschaftsberater und Architekt der sogenannten Reaganomics. Laffer zeigt sich in einem Interview mit der «Bilanz» überzeugt davon, dass die USA und insbesondere die Wirtschaft unter Trump aufblühen wird. Zum besseren Verständnis zeigt er folgende Parallelen auf: Als Roland Reagan gewählt wurde, war die weltweite Empörung und Verunsicherung gross. Die Verachtung gegenüber dem Präsidenten war genauso stark wie jetzt bei Donald Trump. Die Geschichte zeigt: Reagans Regierungszeit entpuppte sich dann als überaus erfolgreich, die Wirtschaft erstarkte. Ob sich das damalige «Wunder» unter Trump ein zweites Mal wiederholen wird, kann selbstverständlich niemand voraussagen. Abwarten und die Situation aufmerksam beobachten ist momentan wohl die beste Taktik. Und: Auch wenn es einigen vielleicht etwas schwer fällt – Optimismus ist weitaus die effektivere Gesinneshaltung als Pessimismus.

Christoph Hämmig
Chefredaktor



Lebensmittel-Industrie Ausgabe 3/4 April 2017