Investition heute für die Lebensmittelsicherheit von morgen


Die auf den Handel und die Veredlung von Lebensmitteln spezialisierte Kündig Gruppe hat an ihrem Produktionsstandort in Thüringen eines der modernsten Keimreduzierungszentren Europas aufgebaut.

▶ PETER JOSSI

Sei es bei Baby-Food, Tee, Kosmetik, Gewürzen, pharmazeutischen Wirkstoffen oder anderen Produkten: Mikrobielle Belastungen können ein grosses Gesundheitsrisiko darstellen. Der Schutz vor Infektionen durch schädliche Mikroorganismen ist ein wichtiger Bestandteil der modernen Lebensmittelverarbeitung.

Die Kündig Gruppe verfügt an ihrem Produktionsstandort in Thüringen über ein zeitgemässes Dienstleistungszentrum. Die umfassende Neukonzeption der Produktionsabläufe und Digitalisierungsmassnahmen ermöglicht eine Verdoppelung der Mengenkapazitäten.

Commitment zu Nachhaltigkeit, Innovation und Sicherheit
Durch die Investitionen in die Produktionsanlagen und in die Mitarbeiter von Abteilung Biosteril schafft das Traditionsunternehmen Kündig aufgrund der langjährigen Erfahrung die Verbindung der Keimreduzierungs-Dienstleistungen mit dem aktuellsten technologischen Fortschritt. Das Traditionsunternehmen setzt damit neue Massstäbe in der Lebensmittelqualität und -sicherheit und sichert damit gleichzeitig die langfristige Zukunft des Unternehmen.

Pioniere der Dampf-Keimreduzierung
Als eines der ersten Unternehmen hat Kündig 1994 unter der Marke «Biosteril» mit der natürlichen Keimreduzierung mittels Dampfeinsatz begonnen. Das zur Anwendung kommende «Vakuum-Dampf-Vakuum-Verfahren» reduziert mikrobielle Kontaminationen in getrockneten Nahrungsmittelrohstoffen und verbessert so die Lebensmittelsicherheit signifikant. Inzwischen hat sich die Marke zum Marktführer entwickelt und bearbeitet jährlich mehrere Tausend Tonnen Tee, Saaten, Kräuter, Gewürze, Trockenpilze, Trockengemüse und diverse pharmazeutische Rohstoffe. Dank der schonenden Behandlung mit Reindampf bleiben Produkteigenschaften wie Farbe, Geschmack und Ölgehalt grösstenteils erhalten, wodurch das Verfahren auch bei biologisch angebauten Produkten sowie preisintensiven Lebensmitteln grossen Zuspruch findet.

Neue Grössendimensionen dank Umbau
Unter dem Projektnamen «Horseshoe», also Hufeisen, wurde in den letzten Jahren ein extensiver Umbau der Anlagen und Räumlichkeiten für rund 5 Millionen Euro getätigt. Durch eine neue Anordnung der Abläufe in Form eines grossen Bogens (eben Hufeisen) wird die Effizienz des Materialflusses deutlich verbessert. Zwei neue Autoklaven ermöglichten es, die Mengenkapazität in der Keimreduzierung zu verdoppeln. Gleichzeitig werden einzelne Arbeitsschritte durch digitale Hilfsmittel wie beispielsweise einen vollautomatischen Verpackungsroboter unterstützt, wodurch auch die Mitarbeitenden entlastet werden. Ausserdem wurde intensiv in Sicherheit und in Hygienekontrollen investiert. Die Abläufe werden neu durch Hygiene-Schleusen getrennt. Dies garantiert maximale Reinheit nach den «Pharma-GMP»-Vorgaben der guten Herstellpraxis.

Pilotanlage für massgeschneiderten Kundenservice
Neben den neuen Büroräumlichkeiten ist ein «Technikum» entstanden, eine Pilotanlage mit integriertem Labor für Probeentkeimungen und Entwicklungen. Durch die umfassenden Investitionen ist ein attraktiver Neubau mit einem modernen Produktionskonzept entstanden, das ganz neue Möglichkeiten eröffnet.

In einem Autoklaven im Kleinformat können die Behandlungsparameter bei Musterentkeimungen exakt abgestimmt und auf die Anforderungen des Kunden eingestellt werden. Dieses Vorgehen gewährleistet dem Biosteril-Kunden maximale Produktesicherheit bei minimalem Risiko und finanziellen Auslagen. Auf der Pilotanlage können auf Kundenwunsch auch Kleinstmengen verarbeitet werden.

Kündig Food Safety Tower
Mit dem 2017 in Betrieb genommenen «Kündig Food Safety Tower» (KFST) steht mit dem optischen Bandsortierer eine erweiterte «Smart-Surround-View-Technologie» mit 360°-Rundumsicht zur Verfügung. Dieser Sortierer ermöglicht eine noch höhere Produktqualität durch die verbesserte Entfernung von Fremdmaterial. Die Food Safety Tower der Kündig Gruppe fassen führende Methoden der Rohstoffreinigung sowie verschiedene Lasersysteme in einer automatisierten, mehrstufigen Anlage zusammen. In den zwei weltweit einzigartigen KFST-Anlagen durchlaufen Rohstoffe sämtliche Reinigungsschritte vollautomatisch.

Über diese jüngste technologische Erweiterung sagt Stefan Birzele, Managing Director Production bei Kündig Deutschland: «Dank High-Resolution-Kameras und hochintensiver LEDs wird uns eine höchst akkurate 360-Grad-Inspektion ermöglicht. So können durch detaillierte Farb- und Formerkennung auch kleinste Fremdkörper sofort identifiziert werden. Diese Technologie erhöht unsere Produktqualität und verringert zudem die Produktverschwendung durch die Prozessoptimierung und Reduzierung von versehentlich aussortiertem Material. So werden wir auch in Zukunft den hohen Qualitätsansprüchen unserer Kunden gerecht.»

www.kuendig.com

Technologiepartnerschaft mit Bühler
Als offizieller Technologiepartner der Schweizer Traditionsfirma und des Innovationsführers Bühler Gruppe setzt sich die Kündig Gruppe aktiv mit neuen Entkeimungstechnologien auseinander. Mit Bühler arbeitet man intensiv an einer bahnbrechenden Inaktivierungslösung, welche durch niederenergetische Elektronenstrahlen getrocknete Lebensmittel entkeimt. Diese nicht-thermische Behandlungsmethode, die sich auf die Oberfläche beschränkt, ermöglicht es sowohl ernährungsphysiologische als auch organoleptische Eigenschaften der Lebensmittel noch besser zu erhalten. Dadurch wird den Forderungen der Konsumenten nach minimal verarbeiteten Lebensmitteln und geringem Ressourcenverbrauch Rechnung getragen. «Laatu», dies der Name der innovativen Methode, konnte bei Biosteril im Bereich der Dekontamination von Gewürzen bereits erfolgreich validiert werden.



LEBENSMITTEL-INDUSTRIE 7/8 2019