Innovation – Ein vitaler Organismus


Innovation ist heute ein viel strapazierter Begriff. Innovation wird als Heilmittel gegen wirtschaftliche Stagnation propagiert. Innovation soll uns helfen, bestehende Grenzen und Einschränkungen zu überwinden. Die Schweiz führt seit Jahren die Hitliste der innovativsten Länder an (Global Innovation Index). Damit sollten wir bestens gerüstet sein und brauchen nicht zu viele Worte über Innovation zu verlieren. Es zeigen sich aber Wolken am Horizont – das Engagement in Sachen Innovation in der Schweiz ist rückläufig (KOF, 2018). Die Zahl der Unternehmen, die Innovation betreiben, hat sich in den letzten Jahren nahezu halbiert. Anlass genug, um über Innovation zu sprechen.

Im Verständnis um Zusammenhänge werden Systeme definiert und beschrieben. Sie sollen helfen, komplexe Verbindungen und Wirkungen zwischen Einzelelementen darzustellen. Im Agrar- und Lebensmittelbereich sind wir mit diesen Systemgedanken vertraut und den Systemen auch ausgesetzt. Wir wissen um die Bedeutung der Vielfalt für die Stabilität eines Systems. Wir wissen aber auch, dass Systembilder eine Annäherung an die Realität sind, die uns helfen sollen komplexe Organismen zu verstehen. Ein Organismus besteht aus vielen Systemen und strebt danach, sich selbst zu erhalten.

In Anlehnung an die Biologie sprechen wir vermehrt von Ökosystemen (zwischen Lebewesen und ihrem Lebensraum bestehende Wechselbeziehung). Wir sprechen auch von Nachhaltigkeit des Systems. Die Nachhaltigkeit soll helfen, das System am «Leben» zu erhalten. Hier schliesst sich der Kreis zum Organismus – dieser strebt danach, sich selbst zu erhalten und ist in der Lage, seine Systeme und «Organe» dafür umzubilden und einzusetzen.

Innovation ist ein solch vitaler und komplexer Organismus. Innovation bedingt Wandel und ist lebendig. Der Innovationsorganismus ist komplex und besteht aus vielen Teilsystemen, die alle ineinandergreifen. Viele Länder eifern der Schweiz nach und wollen auch solch einen hoch entwickelten Organismus erschaffen. Unser Organismus hat aber entscheidende Vorteile – wir haben kurze Wege zwischen unseren hoch entwickelten «Organen», wir haben höchste Vielfalt auf kleinem Raum und wir pflegen die Kultur des Austauschs und der Lösungsfindung. Die Verknüpfung und die Qualität der Verbindung zwischen den Elementen ist entscheidend, für ein erfolgreiches Zusammenspiel im Organismus. Netzwerke spielen hier eine zentrale Rolle. Sie helfen, neue Verbindungen zu erschaffen und stärken so den Organismus.

In den letzten Jahren, wurden einige dieser Netzwerke (Cluster Food & Nutrition, Food Plus, Kompetenznetzwerk Ernährungswirtschaft, Swiss Food Research) gegründet, die heute erfolgreich im Innovationsorganismus eingebettet sind. Die Netzwerke tauschen sich untereinander aus, um dem Organismus mehr Vitalität zu geben. Die Netzwerke bilden Verbindungsbrücken zwischen Unternehmen, Start-ups, Forschung, staatlichen Institutionen, Verbänden und helfen Innovation lebendig werden zu lassen. Der Innovationsorganismus des Agrar- und Lebensmittelbereichs wurde in den letzten Jahren durch die Netzwerke gestärkt – es gilt ihn jetzt für eine erfolgreiche Agrar- und Lebensmittelbranche weiterzuentwickeln.



LEBENSMITTEL-INDUSTRIE 3/4 2019