Digitale Monitoringsysteme statt Giftstoffe

Neue Gesetze und Industriestandards beeinflussen den Einsatz giftiger Wirkstoffe in der modernen Schädlingsbekämpfung. Alternativ setzen intelligente Methoden anstelle von Giftstoffen auf digitale Monitoringsysteme mit drahtlos vernetzten Fallen.

▶ PETER JOSSI

Der Verband Schweizerischer Schädlingsbekämpfer VSS wurde 1973 gegründet von in Genf ansässigen Schädlingsbekämpfern. 1976 wurde der VSS Mitgliedschaft bei der CEPA, dem Dachverband der Europäischen Schädlingsbekämpfer. Heute zählt er über 50 professionelle Schädlingsbekämpfungsunternehmen, die in der ganzen Schweiz verteilt sind. Alle grossen Schädlingsbekämpfungsunternehmen der Schweiz sind hier Mitglied. Die Mehrheit der Firmen sind aber Kleinunternehmen und Familienbetriebe. Der VSS ist auch Ansprechpartner für das BAG und die Kantonalen Laboratorien.

Anticimex Smart ist ein drahtlos vernetztes Schädlingsbekämpfungssystem mit giftfreien, sensorgesteuerten Mäuse- und Rattenfallen. Die permanente Überwachung erkennt und eliminiert einen Schädlingsbefall sofort und löst gleichzeitig einen Alarm aus.

Als gemeinsame Zielsetzung konzentrieren sich die VSS-Mitglieder auf das Erbringen von Leistungen in den Bereichen Schädlingsbekämpfung, Vorratsschutz und Gesundheitsschutz. Das gesundheitliche Interesse der Allgemeinheit und die Beachtung geltender gesetzlicher Vorschriften sind dabei selbstverständliche Voraussetzung. Die Umsetzung der Vorschriften erfordert in der Praxis aber viel Know-how.

Neue gesetzliche Vorgaben seit März 2018
Der Schweizer Gesetzgeber schränkt den Einsatz von Giftstoffen in der Schädlingsbekämpfung immer mehr ein und passt damit die Anwendungsbeschränkungen den schon länger gültigen EU-Regelungen an. Am 1. März 2018 sind nun auch in der Schweiz diese neuen Risikominderungsmassnahmen (RMM) in Kraft getreten. Die Verwendung von Frassködern wurde für private Anwender stark und für Anwender ohne Fachbewilligung wie beispielsweise Landwirte oder Gemeinden etwas weniger eingeschränkt. Für professionelle Schädlingsbekämpfer beschränken sich die Anpassungen auf das Verbot gewisser Wirkstoffe für die Permanentbeköderung. Insbesondere die Einschränkungen für private Anwender, welche rund 80 Prozent des Rodentizidmarktes (chemische Mittel zur Nagerbekämpfung) ausmachen, werden früher oder später unweigerlich zu einer Veränderung der Angebotspalette für Frassköder führen.

Priorität: Schädlingsbefall verhindern

Manuel Wegmann, Geschäftsführer Anticimex AG mit Schweizer Sitz in Glattbrugg zeigt auf, wie sich die VSS-Zielsetzungen und die gesetzlichen Vorgaben in der konkreten Praxis umsetzen lassen: «Unsere Kernkompetenz und Rolle als Dienstleister für die Unternehmen liegt seit Längerem vor allem in der fachlichen Beratung – das Hauptziel ist seit jeher, den Schädlingsbefall zu verhindern oder zumindest zu minimieren.» In der Praxis verbinde sich damit eine fallspezifische Unterstützung, wie Wegmann betont: «Wir beschränken uns nicht auf die Durchführung standardmässiger Monitoring- und Behandlungspläne.»

«Diese Unternehmensphilosophie verfolgen wir seit rund 20 Jahren, als sich das Konzept des Integrated Pest Managements in der Praxis etablierte», ergänzt Manuel Wegmann. Dies für das Unternehmen Anticimex AG ebenso wie für viele im Verband Schweizerischer Schädlingsbekämpfer zusammen geschlossenen Unternehmen und ihre jeweiligen Fachleute.

Digitale Monitoringsysteme mit drahtlos vernetzten Fallen sind die Zukunft
Der fall- und kundenspezifische sowie risikoorientierte Monitoringansatz vertieft sich aktuell zusätzlich durch neue technologische Möglichkeiten, wie Manuel Wegmann erläutert: «Dank ‹Anticimex Smart› können wir eine intelligente Schädlingsbekämpfung rund um die Uhr bieten. Dies ersetzt nicht das Monitoring in den Betrieben selber. Wir verfügen jedoch über viel genauere Informationen, bevor wir überhaupt in die Betriebe gehen.»

Intelligente Methoden, die anstelle von Giftstoffen auf Überwachungssysteme mit drahtlos vernetzten Fallen setzen, ermöglichen es, sich effizient vor Schädlingen zu schützen und das Risiko eines Schädlingsbefalls auf ein Minimum zu reduzieren. Gleichzeitig leistet man einen wertvollen Beitrag zum Schutz der Umwelt.

Im Anticimex-Innovationszentrum in Dänemark wird laufend an neuen klugen Methoden geforscht, wobei das Konzept von digital überwachten Fallen und Sensoren zur Bekämpfung von Nagern als Basis dient. Eine dieser Weiterentwicklungen ist auch das erste digitale UV-Gerät für die Insektenbekämpfung. Diese Fallen fangen laufend Insekten, registrieren sie und übertragen die Informationen in Echtzeit an ein Kontrollsystem.

Risikomanagement im Industriebetrieb
Ein wichtiger Aspekt für eine wirkungsvolle Prävention von Schädlingen ist eine unabhängige Risikobeurteilung des Betriebs. Dabei wird vor allem das Gefahrenpotenzial für Schädlinge im Gebäude und ausserhalb erkannt und bewertet. Entscheidend ist auch die Gefahr der Einschleppung von Schädlingen durch Lieferanten, Mitarbeiter, zugelieferte Rohstoffe, Verpackungsmaterialien und anderes. Auf der Risikobeurteilung wird das individuelle Schädlingsmonitoring aufgebaut. Dank regelmässiger und engmaschiger Kontrollen kann ein Schädlingsbefall schnell identifiziert und sofort eliminiert werden.

Für den Erfolg in den Betrieben tragen die Unternehmen letztlich die Hauptverantwortung, vor allem bei der Umsetzung der von Anticimex empfohlenen baulichen und arbeitstechnischen Massnahmen. Manuel Wegmann stellt hier eine positive Entwicklung in der Branche fest: «Das Know-how-Niveau der Branche steigt insgesamt erfreulicherweise. Dies ermöglicht eine stetige Verbesserung der Situation und zudem macht es die Zusammenarbeit interessanter und zielführender.»

❱ Verband Schweizerischer Schädlingsbekämpfer VSS: www.fsd-vss.ch/de/verband
www.anticimex.ch



LEBENSMITTEL-INDUSTRIE 7/8 2018