Neue Wege der Mobilität


Das Thema Güterverkehr bewegt. Egal ob auf Schiene, Strasse, Wasser oder in der Luft. In den 28 EU-Mitgliedstaaten betrug 2014 das Güterbinnenverkehrsaufkommen mehr als 2200 Milliarden Tonnenkilometer. Davon wurden 75 Prozent über die Strasse, 18 Prozent auf dem Schienenweg und 7 Prozent auf den Binnenwasserstrassen befördert. Im Jahr 2050 werden rund zehn Milliarden Menschen auf der Welt leben. Folglich werden sich der Gütertransport und der Personenverkehr vervielfachen und die CO2-Emissionen weiter steigen. In Zukunft entscheidet sich, ob der Verkehr zu mehr Lebensqualität führt oder ob er weiter zu einer Belastung für Menschen und Umwelt wird.

Mit dem Weissbuch «Verkehr 2050» hat die Europäische Kommission eine Strategie verabschiedet, die vorsieht, den Verkehr von der Strasse auf die Schiene und das Wasser zu verlagern. Die Kommission setzt auf grundlegende strukturelle Änderungen. Eine Kernforderung ist, dass im Jahr 2050 in Europas Städten keine Autos mit konventionellem Kraftstoff mehr fahren dürfen. Weiter sollen 50 Prozent des Personen- und Güterverkehrs auf die Schiene verlagert werden. Auch Deutschland definiert mit dem aktualisierten Masterplan Güterverkehr und Logistik den Handlungsrahmen, um zukünftige Herausforderungen zu bewältigen. Die Regierung orientiert sich am Grundsatz der Nachhaltigkeit, damit auch in Zukunft Mobilität als Grundlage für Wachstum und Wohlstand möglich bleibt. Der Aktionsplan will die Schiene im Wettbewerb mit der Strasse stärken. Dafür sollen die Trassenkosten halbiert und ein Forschungsprogramm zur Bahn-Modernisierung aufgelegt werden. Auch sollen Massnahmen die Nachwuchssicherung garantieren.

Und was macht die Schweiz? Was muss sich ändern, damit die zukünftige Güterverkehrsentwicklung nicht zu einem Infarkt führt? 2012 wurde erstmals die Schwelle von 8 Millionen Einwohnern überschritten. Mit der Bevölkerungszunahme ist auch das Verkehrsaufkommen gestiegen. Laut den Verkehrsperspektiven 2040 des Eidgenössischen Departments für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) steigt die jährliche Verkehrsleistung des Personenverkehrs bis 2040 um 25 Prozent und im Güterverkehr um 37 Prozent. Die Folgen des wachsenden Verkehrsaufkommens zeichnen sich heute schon ab. Trotz Ausbau der Infrastruktur wurden 2016 auf den Nationalstrassen total 24 066 Staustunden gezählt. Das sind doppelt so viele wie im Jahr 2009. Auch die Züge und S-Bahnen sind zur Rushhour voll. Und damit der zunehmende Güterverkehr schneller transportiert wird, pünktlicher ankommt und nicht unter die Räder gerät, braucht er mehr Platz.

Das Referenzszenario der Verkehrsperspektiven 2040 des UVEK kommt zum Schluss, dass die vorgesehenen Ausbauschritte von Schiene und Strasse die erwartete Zunahme nicht alleine bewältigen können. Wie sehen mögliche Lösungsansätze aus? Die Verkehrsleistung muss reduziert werden und in Zukunft muss die Mobilität erneuerbar und effizient sein. Technik allein wird das Problem nicht lösen. Sehr wohl wird sich aber unsere Einstellung zum Unterwegssein ändern müssen.

Die künftigen Herausforderungen können nur gemeinsam gelöst werden. Deshalb ist es wichtig, dass auch Experten ausserhalb der Verkehrsträgerschaft zur Mitwirkung gewonnen werden können. Nur so werden das Ziel, die Richtung und der Weg bestimmt werden, damit die Schweiz auch in Zukunft über eine Infrastruktur verfügt, die den Anforderungen an die Mobilität von Personen und Gütern genügt.

Robert Vogel
Präsident GS1 Schweiz



Lebensmittel-Industrie Ausgabe April 3/4 2018