Bio. What else?


Vielleicht ist dieser Spruch etwas vermessen, angesichts eines Marktanteils der Bioprodukte von 8,4 Prozent am Schweizer Lebensmittelmarkt. Dennoch ist Bio heute, anders als noch vor 20 Jahren, aus der Nische entwachsen und breit etabliert und oft das einzig stetige Wachstumssegment im Lebensmittelhandel. Warum ist das so? Anfangs war Bio ein Thema für eine kleine Gruppe von Menschen, oft etwas mutige und nicht auf Anerkennung von aussen bedachte Pioniere. Sie produzierten Biolebensmittel ohne staatliche Anerkennung, suchten sich ihre Kunden selber und nahmen viel Verantwortung auf sich, anstelle einfach zu produzieren. Heute sind Biolandwirtschaftsbetriebe professionell geführt, wenden moderne Maschinen an und setzen auf marktfähige Produkte. Ein Biobetrieb hat strenge Auflagen zu erfüllen, wird mindestens einmal pro Jahr intensiv kontrolliert, muss sich am Markt behaupten können und innovativ sein. Ebenso ist ein Wandel in der Verarbeitung festzustellen: Unternehmen, die noch vor einigen Jahren Bio allenfalls belächelten, geschweige denn Potenzial darin sahen, steigen in den Markt ein – die im Titel implizit genannte Unternehmung hat Bio sogar als strategisches Thema anerkannt. Was bedeutet das für die Zukunft? Aus meiner Sicht sind es die folgenden drei wesentlichen Entwicklungen, die wir – sei es Landwirt, Verarbeiter oder Händler – in Zukunft erleben werden.

1. Wachstum:
Bio ist unabhängig von Finanz- und anderen Krisen weltweit stets gewachsen, und alle ernsthaften Prognosen deuten darauf hin, dass dies nicht ändern wird. Verantwortungsbewusst essen ist ein Grundanliegen von immer mehr Menschen, und Bio erfüllt dieses Bedürfnis vorbildlich. Wachstum darf aber nicht auf Kosten der Qualität gehen, und da braucht es die Bereitschaft der verarbeitenden Industrie, Verfahren anzupassen und nicht jede mögliche Technologie einzusetzen. Authentische, schonend und nachhaltig erzeugte Produkte haben eine Zukunft – und ermöglichen nicht zuletzt eine bessere Wertschöpfung.

2. Diversität: Jeder Hersteller versucht, sich mit seinen Produkten von der Konkurrenz abzugrenzen – ein grundsätzlich richtiges Verhalten in einer Marktwirtschaft. Oft geht dabei vergessen, dass Konsumentinnen und Konsumenten schon heute mit der Fülle an Marken, Labels und Deklarationen überfordert sind. Trotzdem werden wir eine zunehmende Fülle von Bioprodukten sehen, die sich durch besondere Alleinstellungsmerkmale auszeichnen – neben der Einhaltung der gesetzlichen Biorichtlinien gluten-, laktose- oder sonstwas-frei, von Kühen mit Hörnern oder Freilandschweinen etc. Dabei darf aber der Kern des Biogedankens nicht verloren gehen – der Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide, Bodenschonung, Biodiversität und schonende Verarbeitung.

3. Nachhaltigkeit: Heute ist es einfacher zu beschreiben, was nicht nachhaltig ist, als was denn eigentlich Nachhaltigkeit bedeutet. Selten wurde ein Schlagwort derart verwässert und trotz klarer Definition durch die UNO (Brundtland-Kommission 1987) für alles Mögliche und Unmögliche verwendet – man denke zum Beispiel an nachhaltige Finanzanlagen. Mehr und mehr wird aber der Tatbeweis erwartet. Seit die UNO die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele 2030 definiert hat, wird Messbarkeit unumgänglich. Wir als Bio Suisse wollen hier mitgehen und auf den Knospe-Landwirtschaftsbetrieben die Nachhaltigkeit objektiv bewerten lassen. Damit verbunden setzen wir Entwicklungsziele für die Knospe – mit dem Ziel, die nachhaltigste und somit auch glaubwürdigste Biomarke zu bleiben.

Daniel Bärtschi
Geschäftsführer Bio Suisse



Lebensmittel-Industrie Ausgabe Februar 1/2 2018