Sabo – Innovativ aus Tradition

Oleificio Sabo ist in der Lebensmittelbranche seit Jahrzehnten bekannt für seine Qualitätsöle. Das Sortiment des Traditionsunternehmens umfasst jedoch noch viel mehr, wie CEO Lorenzo Centonze im Interview aufzeigt.

▶ INTERVIEW: PETER JOSSI

Welche aktuellen Entwicklungen stehen im Traditionsunternehmen Oleificio Sabo derzeit im Vordergrund?
Lorenzo Centonze: Wir von Oleificio Sabo identifizieren uns mit schweizerischer Excellence für eine geschmackvolle, gesunde und nachhaltige Ernährung. Im Vordergrund steht bei allen unseren strategischen Überlegungen kompromisslos die Qualität unserer Produkte. Wir fördern Innovation, wie zum Beispiel unsere texturierten Produkte. Aus Soja und neu auch aus Sonnenblumenkernen stellen wir hochwertige und proteinreiche Lebensmittel für eine gesundheitsbewusste Ernährung her.

Sabo ist seit vielen Jahren mit seinen Premium-Ölen in verschiedenen Vermarktungskanälen verankert – welche Sortimente stellt Sabo darüber hinaus selber her?
Am Standort Horn TG werden Sonnenblumenöl, Sonnenblumenöl High Oleic, Rapsöl, Rapsöl HOLL sowie Sojaöl gepresst. In der Raffinerie werden aus verschiedensten Ölen Raffinate hergestellt, wie z. B. Sonnenblumen-, Raps-, Erdnuss- oder Distelöl.

Lorenzo Centonze, CEO Oleificio Sabo, ist der Standort Schweiz und damit Kundennähe sehr wichtig.

Ihr Unternehmen setzt auf Herstellung in der Schweiz – und, wo möglich – auf Schweizer Rohstoffe. Was sind die Chancen und Herausforderungen dieser Strategie?
Der Standort Schweiz ist für uns sehr wichtig. Wir möchten unseren Kunden nahestehen, um Qualität, Effizienz und Flexibilität auf höchstem Niveau garantieren zu können. Zur Erreichung unserer Zielsetzung wurden in den vergangenen Jahren über 30 Millionen Franken in unserer Produktionsstätte in Horn investiert. Wir sind langjähriger Partner der Schweizer Landwirtschaft und verarbeiten in Horn rund ein Viertel der inländischen Ölsaaten. Die daraus hergestellten Produkte vermarkten wir unter dem Label Suisse Garantie. Dank kontinuierlicher Effizienzsteigerung im Schweizer Anbau während der letzten Jahrzehnte ist es der Branche gelungen, die Inlandnachfrage für Raps zu konkurrenzfähigen Preisen zu decken. Die Herausforderungen sehen wir in den möglichen Veränderungen der Rahmenbedingungen, welche diese Erfolgsstory infrage stellen könnten. Im Vordergrund stehen dabei Marktöffnungen im Rahmen des geplanten Rahmenabkommens mit der EU und damit allenfalls einhergehende weitere politische Konzessionen.

Welche Rolle nimmt die Belieferung von Verarbeitungs- und Gastronomieunternehmen ein – welche Entwicklungen sind in diesem Segment im Gang?

Wir erwirtschaften in den Bereichen Industrie und Gastronomie je einen Drittel unseres Jahresumsatzes. Beide Bereiche haben sich nach einem eher schwachen 2017 wieder erholen können Die Zahlen des laufenden Jahres sind vielversprechend. Dazu beigetragen hat die Schwächung des Schweizer Frankens. Dies führte zu einer Verminderung der Auslandeinkäufe. Die gute Entwicklung der Tourismusbranche und die gleichzeitig steigenden Absätze in der Gastronomie haben sich ebenfalls positiv ausgewirkt. Im Industriebereich stellen wir derzeit eine Konsolidierungsphase fest, welche zu einer weiteren Steigerung des Preisdrucks führt. Dank Erhöhung der internen Produktionseffizienz und Diversifizierung sowie der ständigen Innovation können wir den laufend steigenden Anforderungen weiterhin gerecht werden.

Winterisierung: natürliche Klärung der Öle durch kontrollierte Kühlung und Filtration.

Wie können Sie sicherstellen, dass Ihre Zulieferbetriebe Ihre hohen Anforderungen erfüllen – im Biosortiment und darüber hinaus?
Eine funktionierende und transparente Rückverfolgbarkeit ist hierbei von grösster Bedeutung. Wir stehen mit all unseren Lieferanten in engem und gutem Kontakt, denn eine tiefgreifende Vertrauensbasis ist ein wichtiger Punkt für ein einwandfreies Produkt. Bei Lieferantenaudits vor Ort verschaffen wir uns ein Bild unserer Lieferanten und prüfen die Einhaltung der geforderten Standards. Bei Wareneingang von Ölen wird darüber hinaus jedes Lot gemäss unserem internen Analysenplan untersucht.

Welche Rolle spielt die Analytik – welche technologischen Entwicklungen erleichtern die Praxis – etwa im Bereich der Schnelltests?
Die Analytik spielt eine grosse Rolle. Wie erwähnt wird beim Wareneingang jedes Lot gemäss unserem internen Analysenplan untersucht. Mit unserem internen Labor haben wir die Möglichkeit, Abweichungen von der Spezifikation zu identifizieren. Zudem besitzen wir ein geschultes Sensorik-Panel, welches jedes Lot in unserem Werk sensorisch prüft. Für externe Analysen nutzen wir ein gemäss DIN EN ISO/IEC 17025 zertifiziertes Labor, welches für uns die in unserer Branche relevanten Kontaminanten analysiert.

Bei der Bioverarbeitung sind auch hohe Anforderungen an die naturbelassene Verarbeitung verlangt – was heisst dies für Ihre Herstellprozesse konkret?
Für unsere Bio-Öle kommt ausschliesslich eine rein mechanische Kaltpressung zum Einsatz. Im Branchenvergleich schonend ist auch die Verarbeitung in der Raffinerie, die bei Temperaturen unter 130 °C erfolgt. Dank diesen beiden Verfahren wird die Naturbelassenheit der Produkte im Bereich der Sensorik sowie der Inhaltsstoffe bestmöglich gewährt.



LEBENSMITTEL-INDUSTRIE 11/12 2018