Es geht aufwärts


Liebe Leserin, lieber Leser

Darauf hat die Lebensmittelbranche lange warten müssen: Endlich zieht die Wirtschaft an – und der Schweizer Franken wird schwächer. Dieses konjunkturelle Hoch soll sich gemäss Expertenmeinungen als stabil erweisen und zumindest mittelfristig anhalten. Analysten von Grossbanken zeigen es schwarz auf weiss: Die Bestellungseingänge in der Nahrungsmittelindustrie haben in den letzten drei Monaten um zehn Prozent zugenommen. In den kommenden Monaten soll es in diesem Stil weitergehen. Das ist nicht selbstverständlich: Andere Branchen befinden sich noch immer auf Talfahrt, beispielsweise die Bereiche Tourismus und Materialien.

Der Aufwärtstrend ist jedoch nicht nur währungsbedingt. Nach wie vor spielt die Produktequalität insbesondere in der Nahrungsmittelindustrie eine ganz entscheidende Rolle. Entsprechend wichtig sind adäquate Herstellungsverfahren, moderne Maschinen, vernetzte Systeme – und Menschen, die alles fachgerecht bedienen. Auch das ist nicht selbstverständlich. Viele von uns haben vergessen, dass es Performance und Veränderung braucht, um die Erfolgsstory in die Zukunft zu verlängern. Wir wollen Feuer ohne Rauch, einen Flughafen ohne Lärm und Technik ohne Dreck. Das funktioniert nicht. Wer weiterkommen will, muss sich – im übertragenen Sinn – die Hände schmutzig machen, innovativ denken und schliesslich umsetzen.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Lindmühle in Birmenstorf. Die Müllerei existiert seit beinahe 200 Jahren. Bereits sitzt die siebte Generation in der Geschäftsleitung des Familienbetriebs. Nur mit Tradition konnte das Unternehmen allerdings nicht überleben, stetige Veränderung sowie Anpassungen an Markt und Kunden waren und sind die Basis des Unternehmens. Im Interview berichtet Fiona Weber-Lehmann, wie sie und ihre Schwester die Mühle in die Zukunft führen wollen (Seite 8). Im Gespräch wird sofort klar: Die gelernte Müllerin und Lebensmittelingenieurin ist mit Herzblut dabei, beschreibt Details der stetigen Produktverbesserungen, Prozessoptimierungen bis hin zur Automation und betont, wie wichtig es ist, dem Kunden Mehrwert zu bieten – und immer wieder Neues. Der Grossteil des Umsatzes erzielt die Lindmühle mit den konventionellen Mehlsorten. Trotzdem bietet das Unternehmen 300 verschiedene Spezialmischungen an – und jedes Jahr entstehen etwa zehn neue. Und das macht den Unterschied aus: Das persönliche Engagement, eine visionäre Geschäftsleitung und motivierte Mitarbeitende, die Qualitätsprodukte produzieren. Diese Faktoren kann jedes Unternehmen direkt beeinflussen – ganz im Gegensatz zu den individuellen Währungssituationen oder gar der Weltwirtschaft.

Christoph Hämmig
Chefredaktor



Lebensmittel-Industrie Ausgabe 7/8 August 2017