Integrierte Gesamtlösungen werden zum Standard


Die Schüttgut- und Dosiertechnologie wandelt sich in Richtung vernetzter Gesamtlösungen. Industrie 4.0 entwickelt sich von der Zukunftsvision zum Standard für zeitgemässe Anlagesysteme.

Peter Jossi

Steigende Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen erhöhen den Druck auf die Lebensmittelbranche für integrierte Gesamtlösungen. Mit Blick auf die langen und kostenintensiven Investitionszyklen besteht jedoch derzeit noch sehr viel Entwicklungs- und Handlungsbedarf. Dies schafft Entwicklungspotenzial für die Anbieter zeitgemässer technologischer Systeme und unterstützender Dienstleistungen.

Innovation aus Erfahrung
Mischen, Sieben, Mahlen, Pressen, Fördern und Lagern gehören seit 1926 zu den Kernkompetenzen der J&E Maier AG. Das Unternehmen plant, konstruiert, produziert und montiert kundenspezifisch angepasste Maschinen und Anlagen mit einem Schwerpunkt auf der Getreideverarbeitung. Die Erfahrung in der Schüttgüter-Technologie kommt für branchenübergreifende Anwendungen zur Geltung, von der Herstellung von Tiernahrung, der Chemie- und der Umwelttechnik bis hin zur Kunst- und Baustoffbranche.» Befragt zu den Erfolgsfaktoren in einem zunehmend anspruchsvollen und kompetitiven Umfeld bringt CEO Jeannot Maier die Kernkompetenzen des Traditionsunternehmens auf den Punkt: «Wir bieten schlüsselfertige Anlagen für Schüttguthandling in diversen Branchen. Die ganze mechanische Fertigung können wir dank einer komplett eingerichteten Blechbearbeitung in der Schweiz vornehmen.» Bei Nachfragespitzen kann das Unternehmen zudem auf erprobte Partnerschaften in der Branche zählen.

Eine Extruderline-Anlage im Einsatz bei Hochdorf.

Mischtechnologie als Kernkompetenz
«Wir setzen den Fokus auf Mischtechnologie», betont Maier mit einem Blick auf die Firmengeschichte: «Die ersten Mischer wurden bereits in den 50er-Jahren gebaut und verkauft. Aufgrund der Kundenbedürfnisse war das Ziel der Konstruktion eine Maschine mit kurzen Mischzeiten und geringer Bauhöhe zu entwickeln.» Das Resultat war einer der ersten industriellen Mischer für Schüttgüter mit zwei Mischwerkzeugen – eine echte Innovation. Dieses Erfolgsprodukt wurde bis in die späten 80er-Jahre produziert und ist auch heute noch im Einsatz. Seit 2015 ist der Schnellmischer JMV in komplett überarbeiteter Ausführung im Angebot, als vertikaler Ein- und Doppelwellenmischer mit dynamischen Mischwerkzeugen. Ausgerichtet auf den Batchbetrieb ermöglicht dies die bedarfsgerechte Mischung unterschiedlichster Komponenten. Durch die geringe Reibung, ohne Kneten und Zerkleinern ist dabei die sie schonende Bearbeitung des Mischguts sichergestellt. Die Oberfläche im Innern ist geschliffen und poliert, was höchste hygienische Ansprüche erfüllt.

Pharma-Know-how für Lebensmittelbranche
Ebenfalls sehr branchenübergreifend orientiert ist die Dec Group, wobei der Schwerpunkt im Pharma- und Chemiesektor liegt. Das weltweit tätige Unternehmen ist in der Schweiz dennoch mit einem eigenen Produktionsstandort präsent, wie Gabriela Mikhaiel auf Anfrage als Ansprechperson des Unternehmens betont. Wichtig sei dies für die kundenspezifische Anwendungsberatung: «Die Dec Group verfügt über einen grossen Mehrwert mit Expertenwissen und Produkten für die Förderung und das Handling von Pulvern auch in Bereichen mit gewissem Risikopotenzial, oder Einschränkungen durch sehr schwer zu handhabende Pulver, etwa wenn diese sehr fein oder sehr klebrig beschaffen sind.» Der technologische Schwerpunkt liegt auf geschlossenen Anlagen zum Schüttguthandling in allen Anwendungsbereichen, die hohe Containmentanforderungen erfüllen. Die hohen Qualitäts- und Sicherheitsansprüche der Chemie- und Pharmabranche seien zunehmend auch im Nahrungsmittelbereich gefragt, wie Gabriela Mikhaiel anhand eines Beispiels aufzeigt: «Für einen multinationalen Grosskonzern liefern wir PTS-Powder-Transfer-Systeme zur staubfreien Förderung von Kaffee und pulverförmigen Aromastoffen. Der Vorteil liegt im direkten Anschluss an die Big-Bag-Entleerstationen. Zusätzlich zur staubfreien Produktion lassen sich damit Grossvolumen mit langen und automatisierten Produktionschargen bewältigen. Dank der einfachen Reinigung im geschlossenen System (CIP) bleibt zudem eine hohe Flexibilität für verschiedene Ansprüche gewahrt.» Eine weitere aktuelle Neuentwicklung stellt die auch für Lebensmittelanwendungen geeignete vierte Generation der Strahlmühle «MC DecJet» dar. Im Dosierungsbereich stehen Anlagen vom Mg- bis zum Tonnenbereich zur Auswahl.

Mit dem Vegapuls 69 wurden bei der Füllstandmessung von Schüttgütern neue Massstäbe gesetzt.

Messtechnik auf dem Radar
Die Vega Messtechnik AG in Pfäffikon ZH ist Teil der weltweit aktiven Vega-Gruppe. Als grösster Standort liegt die Vega Grieshaber KG im Schwarzwald. Hier wirkt Jürgen Skowaisa als «Produktmanager Radar», der auf Anfrage die Kernkompetenzen des Unternehmens ausführt: «Als Spezialist für Sensortechnologie haben wir das Ziel, technologisch an der Spitze zu liegen. Die hohe Qualität und die kompetenten Serviceleistungen stellen wir nicht zuletzt dank Partner aus der Region sicher. Die Aluminiumgehäuse für unsere Sensoren beziehen wir etwa aus der Schweiz – gewiss nicht der günstigste Lieferant, aber bei der Qualität gehen wir keine Kompromisse ein.» Dies stärkt die Fachwelt aus der Schweiz: «Da wir als sicherer Versender eingestuft sind, beliefern wir unsere Schweizer Kunden direkt aus dem Schwarzwald, was eine kurze Lieferzeit als zusätzliche Dienstleistung ermöglicht.»

Ein Schwerpunkt der Innovation bildet die Radartechnologie, wie Skowaisa anhand einer hauseigenen Entwicklung erläutert: «Mit der hohen Sendefrequenz von 80 GHz ist eines unserer Highlights. Mit unserem Vegapuls 69 haben wir bei der Füllstandmessung von Schüttgütern neue Massstäbe gesetzt.» Seit seiner Markteinführung 2014 geht der Trend eindeutig zu Radarsensoren mit diesem Frequenzniveau. Jürgen Skowaisa zum konkreten Praxisnutzen, der sich daraus ergibt: «Dank der deutlich besseren Signalfokussierung ist die Messung viel einfacher geworden und der höhere Dynamikbereich eröffnet neue Anwendungsgebiete, beispielsweise die Messung von sehr leichten Medien wie Styropor. Heute arbeiten mehr als 75 Prozent unserer Radarsensoren im Schüttgutbereich mit 80 GHz, Tendenz steigend.» In der Getreidebranche und darüber hinaus gehören die Vega-Geräte zur Standardeinrichtung, wo die Sensortechnik für Messaufgaben in Lagersilos mit unterschiedlichen Höhen und teilweise engen Silozellen zum Einsatz kommen. Die Füllgüter reichen hier von den verschiedenen Getreidesorten bis hin zu Kleie, Spreu und unterschiedlichen Mehlsorten. «Neben solchen Standardmessaufgaben bieten wir auch Lösungen für alle Bereiche bei Herstellung und Lagerung von Kunststoffen – von Granulaten bis hin zu sehr leichten Füllstoffen», ergänzt Skowaisa das breite Anwendungsfeld der Vega-Angebote.



Lebensmittel-Industrie Ausgabe Dezember 11/12 2017