Nägel mit Köpfen machen


Liebe Leserin, lieber Leser

Während die Weltbevölkerung wächst, nimmt der für die Agrarwirtschaft zur Verfügung stehende Raum ab. Für die Nahrungsmittelindustrie heisst das: Damit die Ernährung der Menschen auch künftig gesichert werden kann, muss mit weniger Ressourcen mehr produziert werden. Das ist eine enorme Herausforderung. Auf Basis Landwirtschaft stellt sich dieser Problematik in der Schweiz unter anderem die Fenaco-Gruppe. Für Dr. Martin Keller, Vorsitzender der Geschäftsleitung, ist klar: Das Agrarland muss effizienter genutzt werden können (Interview Seite 8). Die Digitalisierung in der Landwirtschaft wird in den nächsten Jahren im grossen Stil Einzug halten. Mit Drohnen wird das Agrarland abgescannt, um die Nutzflächen beispielsweise optimal zu düngen, gegen Schädlinge bekämpfen zu können und gezielt zu bewässern. Die Maschinen der Landwirte werden vernetzt und digitalisiert, der Bauer erhält künftig präzise Wetterprognosen exakt für seine zu bewirtschaftenden Parzellen. Fenaco sieht sich in dieser Entwicklung als Partner der Landwirte und will sie unterstützend begleiten. Was trotz Digitalisierung wichtig ist: Die Landwirte sollen nicht zu Datenwirten mutieren. Die ITNeuerungen dürfen ihre Arbeit nicht erschweren, sondern müssen sie erleichtern und schlussendlich effizienter machen. Das Ziel muss sein, die Wertschöpfung und die Wirtschaftlichkeit zu fördern.

Die Agrarwirtschaft und die Ernährungsindustrie stehen jedoch noch vor weiteren Herausforderungen, deren Bewältigung die Branche in den nächsten Jahren stark beschäftigen wird. Ein Hauptthema ist die Marktöffnung. Wie brisant diese Thematik ist, zeigt sich alleine schon am Beispiel Nachfolgeregelung des Schoggi-Gesetzes. Obwohl eine Lösung auf dem Tisch liegt, trägt sie bereits ein Verfalldatum. Wie beispielsweise am «Brennpunkt Nahrung» von mehreren Seiten betont wurde, kann die Nachfolgeregelung deshalb nur eine Lösung auf Zeit sein, was im Übrigen auch der Bundesrat durchblicken lässt. Und: Die Agrarsubventionen dürften bis 2022 bereits markant tiefer ausfallen als heute. Was heisst das für die Branche? Statt immer wieder neue «Schlupflöcher» zu suchen, wäre die Industrie gut beraten, sich dem Hauptproblem zu stellen und Nägel mit Köpfen zu machen. Für überstürzte Handlungen besteht indes keinen Anlass. Die Marktöffnung kommt nicht von heute auf morgen. Es besteht demnach noch Zeit, um kluge, weitsichtige Strategien zu entwickeln und die richtigen Allianzen einzugehen. Wichtig ist jedoch, die Aufgaben anzupacken und nicht hinauszuzögern. Denn die Zukunft beginnt weder in fünf noch in zehn Jahren, sondern jetzt.

Mit diesen Gedanken wünsche ich Ihnen im Namen des ganzen Verlages schöne, entspannte Festtage. Ich danke Ihnen für Ihre Treue gegenüber unserem Fachmagazin und freue mich mit Ihnen auf ein spannendes neues Jahr.

Christoph Hämmig
Chefredaktor



Lebensmittel-Industrie Ausgabe Dezember 11/12 2017