Immer und sofort geniessbar


Tiefkühllebensmittel können als Urform des natürlichen «Convenience Food» gelten und bieten bis heute viele Vorteile. Neue Verarbeitungs- und Verpackungstechnologien machen die Verbindung von Natürlichkeit und Sofortkonsum massentauglich.

Peter Jossi

Die Anforderungen der Kundschaft steigen stetig. Genauso wie das klassische Konservensortiment genügt der Griff in den Tiefkühlschrank der Kundschaft heute nicht mehr. Ein vielseitiges Angebot je nach Einkaufssituation und aktuellem Bedarf wird als selbstverständlich vorausgesetzt. Schonend und mit natürlichen Zutaten «wie zu Hause zubereitet», müssen die Lebensmittel dennoch überall und jederzeit verzehrfertig verfügbar sein. Coop-Mediensprecher Ramón Gander bestätigt diese Entwicklung: «Die Nachfrage nach Frischconvenience-Produkten, die unterwegs oder bei der Arbeit ohne grossen Aufwand gegessen werden können und gleichzeitig gesund sind, nimmt laufend zu. Wir sehen zudem einen Trend hin zu vegetarischen und veganen Produkten.»

Ultrafrisch-Menüs – fürs Auge in der attraktiven Holzschale angerichtet.

Sebastian Senn von der MGB-Medienstelle stellt ähnliche Marktentwicklungen fest: «Die Kunden wünschen Produkte, die ihr Bedürfnis nach einer genussvollen, innovativen und abwechslungsreichen Ernährung decken. Beim Convenience Food ist der Sofortkonsum stark wachsend.» Im Tiefkühlsortiment der Migros legten die Verkaufssektoren Gemüse und Früchte in den letzten Jahren am meisten zu, so Senn: «Früchte und Beeren profitierten stark vom Gesundheitstrend, zum Beispiel um eigene Smoothies herzustellen oder als Müeslizugabe.» Neue Technologien etwa für die Haltbarmachung können dazu beitragen, den Lebensmittelgeschmack zu erhalten und gleichzeitig den Einsatz von Zusatzstoffen zu vermeiden. Bei der Migros stehen solche Artikel bereits im Regal, wie Sebastian Senn bestätigt: «Gerade im Bereich Säfte gehen Trends in Richtung «cold pressed» mittels High Pressure Processing (HPP). Die Haltbarmachung erfolgt bei diesem Verfahren mit kurzzeitigem Hochdruck und nicht mit Hitze. Im Gegensatz zur Pasteurisation bleiben Originalgeschmack- und Farbe der Lebensmittel unverändert.» «Bezüglich Trendforschungen orientieren wir uns an der Expertenplattformen wie Innova», gibt Sibylle Umiker von der Emmi-Medienstelle Auskunft. Die Anregungen aus der Trendforschung fliessen direkt in die Sortimentsentwicklung ein, etwa im Clean-Label-Sortiment, wie Umiker an einem erfolgreichen Beispiel aufzeigt: «Unser Emmi-Jogurtpur enthält
keine Zusatzstoffe, ist geschmacklich top, gleichzeitig sehr preiswert und bezüglich Haltbarkeit im Standardbereich. Im Verpackungsbereich sind wir sehr an innovativen Lösungen interessiert», erklärt Umiker. Das Ziel sind Verpackungen, die weniger Material verbrauchen, aus nachhaltigen Materialien bestehen und trotzdem das Produkt optimal gegen Luft und Licht schützen. Sibylle Umiker ergänzt: «Wir haben das Ei des Kolumbus noch nicht gefunden arbeiten aber eng mit den Profis bei den entsprechenden Verpackungsherstellern zusammen.»

Kompetenz in der Ultrafrische gefragt
Corinne Harder, Leiterin Kommunikation und Marketing Services bei der Bischofszell Nahrungsmittel AG (BINA), stellt eine zunehmende Beliebtheit von Gemüse und Hülsenfrüchte im Tiefkühlbereich fest: «Die Konsumenten schätzen die Verfügbarkeit ausserhalb der Saison sowie die hohe Naturbelassenheit und Qualität. Dies zeigt sich beispielsweise bei der Spinatproduktion, die innert weniger Stunden nach der Ernte bereits bei uns verarbeitet wird. So kann ein saisonaler Artikel in sehr guter Qualität das ganze Jahr hindurch angeboten werden.» Diese Entwicklung stellt Harder auch im Convenience-Sortiment fest: «Hier haben wir sogenannte Ultrafrisch-Menüs im Angebot. Diese werden in einer Grossküche hergestellt und in der fürs Auge attraktiven Holzschale angerichtet.»

Starke wachsende Nachfrage: Vielfältiges Sortiment zum Sofortkonsum.

Der Trend zur Frische ist eine grosse Herausforderung für die Produktion und die Logistik und belasten auch die Nachhaltigkeit, da hier infolge der kurzen Haltbarkeit naturgemäss mehr Food Waste anfällt. Dies steigert den Bedarf nach neuen technischen Lösungen, betont Corinne Harder: «Wir sind deshalb dauernd daran, neue Technologien zu testen, um die Kundenbedürfnisse optimal zu befriedigen und gleichzeitig den Themen Nachhaltigkeit und Reduktion von Food Waste grösstmögliche Beachtung zu schenken.» Fabian Vetsch, Leiter Corporate Communication der Bell Food Group AG, bestätigt das Bild: «Immer wichtiger wird Bio und Regionalität, die Segmente korrespondieren bestens mit dem Trend zu mehr Mobilität und urbanem Lebensstil, vorwiegend in Ein- und Zweipersonen-Haushalten. Gleichzeitig wünscht man sich aber immer noch das klassische gemeinsame Essen am Mittags- oder zumindest am Abendtisch.

Innovation in der Fleischbranche
Natürlichkeit in den Rezepturen und Erfüllung diverser Labelanforderungen stehen für die Bell Food Group vor allem auch Kulinarik und Lebensmittelsicherheit im Mittelpunkt. Die Erfüllung dieser Anforderungen stellt keinen Widerspruch dar.» Um dem Trend zu vegetarischer und veganer Ernährung zu entsprechen, baut Bell in Landquart derzeit die Frostag Food-Centrum AG zum Vegi-Kompetenzzentrum aus: Bereits stellt man Tofu in einer für europäische Verhältnisse hervorragenden Qualität her. «Wie gerade auch die Fleischbranche in diesem Bereich Alternativen bieten kann, zeigen neue Produkte, wie die vor kurzem in der Migros lancierten Beef-Bars oder die Chickies, welche an der Food- und Lebensmittelmesse Anuga in Köln präsentiert wurden», betont Deborah Rutz von Micarna Bazenheid die Innovationskraft der Schweizer Fleischbranche. Rutz zeigt die Ziele von Micarna bei der Produktentwicklung auf: «In einer Zeit, in der wir immer öfters und länger unterwegs sind, wächst das Bedürfnis nach gesunden und einfachen Verpflegungsmöglichkeiten, ohne dabei in eine Fast-Food-Ecke getrieben zu werden.» Die Herausforderung liege darin, dieser gesellschaftlichen Entwicklungen gerecht zu werden und entsprechende Produkte anzubieten, die über die klassischen Convenience-Produkte hinausgehen. «Wachsend ist auch die Nachfrage an biologisch erzeugter Convenience-Produkten», ergänzt Deborah Rutz. Bei grundsätzlich ähnlichen Verarbeitungsverfahren sei die Anzahl der einsetzbaren Zusatzstoffe dabei aufgrund der Bioanforderungen begrenzt. Die Hauptunterschiede lägen in der Haltung und der Herkunft der verwendeten Tiere.



Lebensmittel-Industrie Ausgabe Dezember 11/12 2017