Netzwerke als Basis für Innovation


Schweizer Klein- und Mittelunternehmen der Ernährungsbranche sehen sich einer zunehmenden Regulierungswut, einem steigenden Fachkräftemangel sowie zunehmend benötigtem Spezialistenwissen konfrontiert. Was ist zu tun? Wie können Schweizer KMU den erhöhten Wettbewerbsdruck dazu nutzen, mit Innovationen weiterhin an der Spitze zu bleiben?

Schweizer Unternehmen denken immer noch zu wenig in Netzwerken. Viel zu schnell werden andere Unternehmen mit gleichen Fragestellungen als Wettbewerber gesehen. Der für Produzierende kleine Heimmarkt zwingt dabei immer mehr zu einer Arbeitsteilung zwischen verschiedenen Unternehmen. Die Ernährungsbranche denkt hier zu wenig innovativ und lösungsorientiert. Dabei wird auch sie von disruptiven Kräften erfasst. Startups und Quereinsteiger machen es heute vor, wie innovative Konzepte schnell umgesetzt werden können. Man fliegt mal schnell nach New York oder London und schon sind die neusten Ernährungstrends auch in Zürich oder Basel umgesetzt. Die etablierten Unternehmen schauen da meistens nur zu. Startups halten dabei den Etablierten den Spiegel vor.

Ohne Innovation bleibt eine Marke stehen und verliert Marktanteile. Schon Schumpeter sprach in diesem Zusammenhang von «dem Prinzip der kreativen Zerstörung». Innovation zwingt uns dabei, uns mit der Zukunft auseinanderzusetzen und mögliche Bedürfnisse frühzeitig zu erkennen und umzusetzen. Innovation muss deshalb als Denkhaltung im Unternehmen etabliert werden. Denn unsere Schweizer Kunden erwarten von uns Innovationen, sonst schauen sie anderweitig im Ausland nach entsprechenden Konzepten.

Kommt es zu einer totalen Umwälzung in der Ernährungswirtschaft? Ich glaube nein. Ernährung wird zwar von einer jungen gebildeten Generation zunehmend als Religion praktiziert. Convenience, Zuckerreduktion und Superfood bringen neben dem Trend zu Vegetarismus und veganer Ernährung neue Bedürfnisse in die Branche. Weil sich aber Konsumenten zunehmend von der Scholle und vom Tier entfernt haben, sind sie gleichzeitig kritischer gegenüber abgepackten Lebensmitteln geworden. Gleichzeitig wissen wir längst, dass die Mehrheit des «Food waste» nicht in der Industrie, sondern beim Konsumenten zuhause erzeugt wird. Es muss deshalb gelingen, Konsumenten wieder näher an die Erzeugung der Primärprodukte zu bringen und ein gemeinsames Verständnis für gute Lebensmittel zu erhalten. Lebensmittel notabene, die nicht nur gut und nachhaltig erzeugt sind, sondern auch einen gerechtfertigten Preispunkt beim Konsumenten erzielen können.

Die Ernährungsbranche ist deshalb gefordert. Sie muss stärker auf die Zusammenarbeit mit den Bauern setzen und gleichzeitig das Angebot für die Konsumenten transparenter gestalten. Dies gelingt nur, wenn alle Player zusammenarbeiten und mittels offener Netzwerke dem Konsumenten ein Maximum an Information und Transparenz vermitteln können. Die etablierten Unternehmen können meines Erachtens viel von Startups lernen. Das Brechen von alten Verhaltensregeln, verbunden mit dem Anschieben von neuem Denken, muss in den Unternehmen Einzug halten. Nur wenn wir uns selbst deblockieren, kommt es gut. Startups sind in solchen Dingen viel schneller, unkomplizierter und offener, was rasch zu sehr grossem Konsumentenvertrauen führt. Wenn wir uns mehr «Startup-Gedankengut» in unsere Unternehmen reinholen, können wir langfristig am Markt bestehen und über uns hinauswachsen.

Clemens Rüttimann
CEO Biotta AG



Lebensmittel-Industrie Ausgabe Dezember 11/12 2017