Smart Factory in der Praxis


Am 2. Swiss Food & Beverage Automation-Forum, das Autexis vor den Sommerferien in Baden durchführte, stand der Themenbereich Smart Factory im Vordergrund.


Christoph Hämmig

Bekannte Referenten aus Wirtschaft und Politik vermittelten neueste Trends zum Thema Internet der Dinge und Industrie 4.0. Die Industrievertreter und Gastgeber Philippe Ramseier, CEO von Artexis (vorhams Hauser Steuerungstechnik), diskutierten mit über 100 anwesenden Unternehmensvertretern aus der Schweizer Nahrungsmittelindustrie. Die «Lebensmittel-Industrie» befragte vier Referenten nach ihren Praxiserfahrungen im Bereich Smart Factory.

Beat Glarner, Produktionsleiter, Chocolat Frey AG: «In kleinen Schritten haben wir die Smart Factory bereits realisiert. Ich kann beispielsweise via Smartphone die Schokoladen-Produktion verfolgen oder an einem internetfähigen PC einzelne Anlagen starten. Insofern ist die Automation 4.0 bei uns Tatsache. Die Schwierigkeit ist, die Automation flächendeckend über den ganzen Betrieb zu integrieren. Das ist ein fast endloser Prozess. Ich sehe mehr Aspekte, die wir noch realisieren müssen, als was wir schon umgesetzt haben. Aber die Thematik Smart Factory weiter zu verfolgen lohnt sich. Die bisher grössten Nutzen aus der Automation 4.0 für uns: Wir sparen Zeit, können den Supportaufwand reduzieren und die Produktion von Milchschokolade konnten wir um 20 Prozent steigern. Bei der Weiterentwicklung werden wir uns auf unseren externen Technologie-Partner stützen. Ohne ein solches Teamwork geht es nicht.»

Andreas Stuker, COO von SAP (Schweiz) AG: «Die Lebensmittelindustrie ist gross und für uns entsprechend wichtig. Ein Beispiel dazu: Man sagt, dass 65 Prozent der Schokolade von Firmen porduziert wird, die SAP-Lösungen im Einsatz haben. Innerhalb der Branche bieten wir je nach Bedürfnisse spezielle Produkte an, meistens im Bereich der Produktion und Logistik. Für die unterschiedlich gelagerten Firmen sind auch individuelle Adaptionen möglich. Die Industrie 4.0 wird unserer Meinung nach weiter an Bedeutung zunehmen. Alles, was sich digitalisierten lässt, sollte digitalisiert werden. Wir sehen in den nächsten Jahren ein riesiges Potenzial.»

Siegfried Gerlach, Generaldirektor und VR-Delegierter Siemens Schweiz AG: «Das Stichwort Smart Factory ist für uns gegenwärtig das wichtigste Thema. Ein Beispiel aus der Praxis: In der Dorfkäserei Altendorf haben wir eine total integrierte Automation realisiert. Der ganze Betrieb wurde von Grund auf neu gestaltet. Es wurden neue Maschinen eingesetzt, die alle mit intelligenten Steuerungen ausgestattet und untereinander vernetzt wurden. Das führte dazu, dass die Käserei heute ein anderer Ablauf befolgt. Was früher Handwerk war, ist nun ein Industriebetrieb mit hohen Anforderungen an Sicherheit und Qualität geworden. Mit dem Resultat, dass die Produktionszeit halbiert werden konnte, entsprechend können Kosten eingespart werden. Fazit: Was Siemens in der Lebensmittelindustrie umsetzt, ist wegweisend für alle unsere anderen Divisionen.»

Didier Gremaud, Leiter PWW CPS, Coop: «Unsere grössten Projekte bei Coop sind die neuen Produktionsanlagen in Schafisheim mit den Bäckereianlagen sowie der Schokoladenherstellung in Pratteln. Gemäss unserer Planung wollen wir beide Termine etwa zur gleichen Zeit in Betrieb nehmen, Schafisheim ist für das Frühjahr 2016 vorgesehen. In Sachen IT gibt es noch viel Arbeit. In beiden Betrieben haben wir uns zum Ziel gesetzt, den 4.0-Level zu erreichen. Die Automation werden wir Schritt für Schritt erweitern.»