Dynamischer Schweizer Aussenhandel mit Lebensmitteln

Bei einem Blick auf den globalen Agrarhandel zeigt sich folgendes: weltweit werden Agrarprodukte im Wert von fast einer Billion US-Dollar gehandelt. Die beteiligten Bundesstellen BLW, BLV und SECO unterstützen die Wirtschaft, um Schweizer Exportprodukte besser auf internationalen Märkten platzieren zu können.

Tim Kränzlein * und Christina Gut Sjöberg **

Die Agrarimporte aus der Welt in die Europäische Union EU betragen beeindruckende 136 Milliarden US-Dollar. Aber noch etwas fällt auf: nur knapp 20 Prozent der weltweit gehandelten Agrarprodukte sind verarbeitet (also in Form von Schokolade, Getränken, Käse oder zusammengesetzten Lebensmitteln). Der überwiegende Anteil sind Rohprodukte wie Soja, Reis, Rindfleisch oder Palmöl. Auch ein vertiefter Blick auf das Schweizer Handelsprofil bringt Interessantes zu Tage. Die Schweiz hat im Jahre 2013 Agrarprodukte im Wert von rund 12 Milliarden Franken importiert, rund 75 Prozent davon aus der EU. Dieses Volumen kommt einer Steigerung von knapp 40 Prozent seit dem Jahr 2002 gleich. Die Dynamik der Exportseite beeindruckt noch mehr. Das aktuelle Exportvolumen von etwa 9 Milliarden Franken entspricht einer Zunahme von 136 Prozent seit 2002. Auch die Destinationen der Exporte zeigen Überraschendes. Nach wie vor gehen über 60 Prozent der Exporte in Länder der EU, aber die Nicht-EU-Destinationen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Während bei den Käseexporten der Absatz in Richtung EU seit 2002 um 15 Prozent (auf nun 446 Mio. Franken) zulegen konnte, ist das Volumen in Richtung Nicht-EU-Länder um 40 Prozent gestiegen (auf 125 Mio. Franken). Noch deutlicher zeigt sich dies bei Schokolade: Die Exporte in die EU konnten um 62 Prozent (auf 504 Mio. Franken) und in Nicht-EU-Länder um 107 Prozent (auf 310 Mio. Franken) zulegen. Massgeblich ist der Schweizer Handel aber durch die Dynamik bei Kaffee und bei Getränken geprägt. Die Kaffeeexporte haben um 1825 Prozent auf nun 1,7 Milliarden Franken in die EU und um 2790 Prozent auf nun 369 Millionen Franken in nicht-EU-Länder zugelegt. Bei Getränken wie Red Bull zeigen beide Werte ebenfalls steil nach oben: +709 Prozent auf 799 Millionen Franken in die EU und +1441 Prozent in nicht-EU-Länder.

Drei Säulen für den internationalen Handel
Die Handelszahlen alleine sind aber bestenfalls eine interessante Facette. Die entscheidende Frage ist, von welchen Rahmenbedingungen diese Handelsströme geprägt sind und wie diese Rahmenbedingungen ausgestaltet und weiterentwickelt werden können. Für die Schweiz gibt es drei Säulen, die das Fundament für den internationalen Handel bilden: erstens das Regelwerk der Welthandels-organisation WTO, zweitens die bilateralen Abkommen mit der EU und drittens das Netz an Freihandelsabkommen. Die WTO ist für die Schweiz mit Abstand die wichtigste Säule, weil sie Wächterin und Plattform für die Weiterentwicklungdes multilateralen Regelwerkes ist. Teil dieses Regelwerkes ist das Agrarabkommen, das die Grundlage für die heute international angewandten Zölle ist. Es regelt aber auch den Exportwettbewerb (und damit das Schoggigesetz) und unterwirft die interne Stützung des Agrarsektors übergeordneten Regeln. Auch wichtige Querverbindungen zu anderen Abkommen und Organisationen sind bei der WTO eingebettet. Bei sanitären und phytosanitären Massnahmen nutzt die WTO die Vorgaben und Standards der OIE (Welttiergesundheitsorganisation) sowie des Codex Alimentarius als wichtige Arbeitsgrundlagen. Auch Urteile aus Streit-schlichtungsverfahren, die im WTO-Kontext durchgeführt werden, beeinflussen den Handel mit Agrarprodukten ganz entscheidend. Jede Weiterentwicklung der Abkommen unter dem Dach der WTO – auch wenn es sich dabei um Resultate aus der seit langem unvollendeten sogenannten «Doha-Runde» handelt – beeinflusst nachhaltig die Arbeitsgrundlage des internationalen Handels.

Hürden im Handel abgebaut
Die zweite Säule für die Schweiz ist das bilaterale Abkommen mit der EU. Das Landwirtschaftsabkommen schafft die Grundlage für einen relativ reibungslosen Handel mit der EU, indem eine ganze Reihe an sogenannten «nicht-tarifären Handelshemmnissen», also Hürden im Handel, die nicht auf Zölle zurückzuführen sind (beispielsweise zur Deklaration, zur Bioproduktion, zum gemeinsamen Veterinärraum und somit zum Handel mit Tieren und tierischen Produkten oder zum Einsatz von Pestiziden in der Pflanzenproduktion) abgebaut wurden. Bekanntlich ist die Weiterentwicklung des Verhältnisses zur EU und somit der weitere Abbau von nichttarifären Handelshemmnissen aufgrund der politischen Situation schwierig. Aber festgefahren sind die Beziehungen schon deshalb nicht, weil die EU durch Freihandelsabkommen oder Verhandlungen mit anderen Partnern (z.B. Kanada oder die USA) neue Rahmenbedingungen schafft, die direkte oder indirekte Auswirkungen auf die Schweiz haben. Aber auch abseits der Freihandelsabkommen bewirken die Arbeiten der EU (beispielsweise in der Bioäquivalenz mit den USA oder Kanada) neue Standards, die die Schweiz beeinflussen.

28 Abkommen mit 38 Ländern

Schliesslich gibt es eine dritte Säule im Handelsgeflecht der Schweiz: die Freihandelsabkommen.
Diese können sowohl bilateral, wie beispielsweise zwischen der Schweiz und China existieren, oder im Rahmen der EFTA, wie zuletzt mit den zentralamerikanischen Staaten Costa Rica, Guatemala und Panama. Zurzeit sind 28 Abkommen mit 38 verschiedenen Partnerländern in Kraft. Im Agrarbereich bringen diese Abkommen punktuellen Marktzugang und schaffen damit die Grundlage für fokussiertes Wachstum der Exporte und Importe der Schweiz. Bei nicht-tarifären Handelshemmnissen eröffnen die Abkommen im Idealfall einen präferenziellen Gesprächskanal zu den Partnerländern. Diese Ausgangslage – punktuelle Lösungen und bevorzugte Kontakte zu Behörden der Partnerstaaten – hat seitens der Lebensmittelindustrie auch zu vermehrten Exportinteressen in «neue Märkte» geführt. Daher haben die am Export von Lebensmitteln beteiligten Bundesstellen BLW, BLV und SECO den Kontakt zu Branchenorganisationen wie der Fial, Proviande, VMI oder Switzerland Cheese Marketing intensiviert. Um die Koordination der verschiedenen Aktivitäten besser koordinieren zu können, wurde vor fünf Jahren die Plattform «AG Agroexport» gegründet, über die regelmässig ein Newsletter zu aktuellen Themen im Export von Agrarprodukten und Lebensmitteln verschickt wird und Konsultationen mit den Branchenorganisationen durchgeführt werden.

www.blw.admin.ch/themen/01344/01347/index.html?lang=de

* Stellvertretender Leiter Fachbereich Internationale Handelspolitik im Bundesamt für Landwirtschaft BLW ** Wissenschaftliche Mitarbeiterin Fachbereich Bilaterale Beziehungen im BLV